Ansichten eines Menschen
von Patrice Lipeb
Prolog
Herbstiges Wetter. Ein verdammt grauer Morgen im September vor dem Westwerk. << Keine Sonne – keine Cola >>. Ist komisch, hier zu sein! Über die Jahre ist das Westwerk für mich zu einer horriblen Manifestation sowohl kultureller als auch persönlicher Verluste geworden. Angefangen mit dem wunderschönen Spielort des THEATERPACKS auf dem Seitenhof, der einem Getränkelager der Firma Egenberger weichen musste, über die Schließung des glorreichen Westpol Airspace zugunsten einer Billardhalle mit dem bescheuerten Namen Mensa sowie der nachfolgenden Schließung, respektive Vertreibung von Feigen & Dart, dem Plattenladen, dem SUB-LAB, zahlreichen Ateliers und Proberäumen. Diese höchst subjektive Auflistung zerstörter und ehemals lebenswerter Orte meiner unmittelbaren Nachbarschaft ist wahrscheinlich unvollständig. Den vorläufigen Tiefpunkt erreichte dieser gentrifiziöse Negativ-Prozess jedenfalls in der Eröffnung der Konsum-Filiale 2019.
Es ist komisch, hier zu sein, mit all den schönen Erinnerungen. Aber es passt zum Grund meines Besuchs. Denn ich bin hier für ein Interview mit Hugo, einem verlebten Endfünfziger mit sonnenverbranntem Gesicht und Schäferhund – nach eigener Aussage aus ostdeutscher Züchtung. Eigentlich wollte ich Hugo schon in der letzten Ausgabe zur Wahl befragen. Aber irgendwie haben wir uns ständig verpasst.
Interview: Ich war mal früher keen Feiner! weiterlesen





