
Kategorie: Februar 2019
EDITORIAL
Liebe Lesegemeinde!
Allerorts begegnet Mensch heutzutage einer umfassenden Rücksichtslosigkeit. Nicht nur auf dem weltpolitischen Parkett, den Kaufhallen und den rechtsfreien Räumen des Internets – Jeder ist sich selbst der nächste und einem nötigen Paradigmenwechsel wird höchstens in den Echokammern wohlhabender Nachbarschaften oder in den Essays belesener Akademiker und Akademikerinnen Rechnung getragen. Aus diesem Grunde sahen wir uns veranlasst, unter der Leitparole »Als gäb’s kein gestern« dem gegenwartsfixierten Habitus einer All-On-Demand-Gesellschaft eine bunte, kritische und dennoch unterhaltsame Ausgabe entgegenzusetzen.

KURZE KNACKUPUNKTUR
zur evolutionären Selbstermächtigung
Ein kleines Unternehmen aus Oakland, Kalifornien verkauft aus der Garage von Dr. J. Zayner heraus eine Vielzahl verschiedenster Gerätschaften und Chemikalien. Auch Grillen zur Froschfütterung umfasst das Sortiment des Start-ups, welches ironischerweise den Namen The Odin trägt.
NO FUTURE REVISITED
» Opa Patzy erzählt vom Krieg «
Irgendwann im Spätsommer vor ein paar Jahren » Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. « stand ich relativ fassungslos vor einem Denkmal in der Innenstadt. Genauer gesagt befand ich mich an der Südseite der beeindruckend repressiven Außenfassade der Mensa an der Karl-Liebknecht-Straße, Höhe Peter-Stein-Weg. Was mich in der Hauptsache irritierte, war die Inschrift oder vielmehr die Implikationen, die sich aus dem feinsinnigen Text ableiteten, der in steinernen Lettern das überwältigend schmucklose Monument Deutscher Geschichte zierte.
INTERVIEW: Die Zeit in den Dingen
– ein Gespräch über Gegenstände von gestern und was wir heute in ihnen sehen
Felix Henningsen betreibt seinen Laden für angewandte Kunst in der Hans Poeche Straße 7 im Grafischen Viertel. Das Einrichtungskonzept des NBL-Eckladens hat er maßgeblich mitgestaltet. Als ausgewiesener Spezialist nahm er sich Zeit, um zu beantworten, warum wir uns so gern mit Dingen von gestern umgeben, sie am Leib tragen und in unserem Leben haben wollen.
DENN GESTERN WAR HEUTE SCHON
… morgen
Wie oft habe ich schon überlegt, ob ich hinein gehe. Das Zögern an der Schwelle zur Bar ist ein letzter Trick zur Beruhigung der Moral. Die Entscheidung fiel schon Stunden vorher. Durch Erinnerungen an Schmerz, unterdrückten Trieb, aktuellen Stress, Mangel an Disziplin oder purem Egoismus. » Probleme «, die sich seit dem letzten Rausch im Inneren zu einem stinkenden Haufen aufgetürmt haben donnern wie eine Schlammlawine ins Tal des Draußen.
THE RETURN OF THE WESTPOL
Zurück an neuer Stelle findet die erste Ausstellung des Westpol im Unterdeck vom 28. Februar bis 03. März in der Heilandskirche Leipzig – Plagwitz statt.
DIE BEHAUPTUNG DER LINIE
oder die Zeit ist ein Treppenwitz der Geschichte
»Mahlzeit. Eine Marienerscheinung mehr oder weniger macht noch keinen Himmel, aber im ganzen gewaltig ist der Elan meines unaufgeklärten Jahrhunderts, das noch den Kot der assyrischen Großkönige abtastet nach Kohlenstoff vierzehn. «
REISSIG UND VÖLKER MÜSSEN REDEN (6)
– Die Räuber des Zaren und das braune Fett
Für diese Ausgabe ihrer Konversationsreihe begaben sich Rising Reißig (Arzt und Gastwirt) und Timm Völker (Musiker und Patient) nach ganz unten in Plagwitz. In einem Keller sitzend, bemühten sie sich sehr am Thema der aktuellen Ausgabe dran zu bleiben und gegen ihren Drang Phantasmagorien zu bilden anzukämpfen. Ob es ihnen diesmal gelungen ist, entnehmen Sie bitte dem folgenden Gesprächsausschnitt.