Fleischerjunge OST

deepes Interview via Mail

von Patrice Lipeb

Am Anfang war das mit dem Booking so eine Sache. Ich musste mich in den ersten Jahren ganz schön verbiegen, um ein halbwegs kohärentes Kulturprogramm für das Subbotnik zu zimmern. In der Praxis hieß das zumeist, dass ich mir mit hoch motivierten und in der Regel ebenso hoch begabten Verrückten einen Haufen E-Mails hin und her schickte – und das leider völlig ergebnisoffen. Heute haben wir uns als Spielstätte einigermaßen etabliert. Sicherlich würden wir uns über noch mehr Zuschauer freuen, die in Scharen zu unseren Konzerthighlights pilgern. Aber passt schon alles. Und kann ja auch noch werden. Der Umstand, dass uns Menschen schreiben, die bei uns spielen wollen, stellt sich hingegen vollumfänglich als absoluter Gewinn dar. Ich hatte zum Beispiel erst kürzlich das große Glück, auf eben diese Weise auf die  Veranstaltungsreihe »Bräuer will´s wissen« aufmerksam gemacht zu werden. Nach einem informellen und sehr herzlichen Telefonat entschloss ich mich, mit dem Leipziger Journalisten schnellstmöglich einen Termin für sein interessantes Gesprächsformat zu vereinbaren. Es ist der 22. Februar geworden, aber das nur  nebenbei. Um euch ein bisschen Appetit auf das Ganze zu machen, haben wir uns in Anbetracht der knappen Zeit nochmal voll reingekniet und noch schnell ein ultra authentisches und inhaltlich deepes E-Mailinterview fabriziert.
And here we go:

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fast forward

Rewind

von Patrice Lipeb

Was für ein Lied die Sirenen sangen oder unter welchem Namen Achilles sich unter den Weibern versteckte, das sind allerdings verblüffende Fragen – deren Lösung jedoch nicht außerhalb des Bereichs der Möglichkeit liegt.
Sir Thomas Browne

Es ist schwer, den richtigen Einstieg zu finden, wenn ein Mensch den Dingen, die ihn umgeben einen Namen geben will. Wiederum andere Ereignisse spotten schlechterdings einer adäquaten Beschreibung. Gerüche sind zum Beispiel kaum mit Begriffen zu fassen. Dafür bereitet es uns nur wenig Schwierigkeiten, wortreich über unsere Stimmungen Auskunft zu geben. Seien sie auch noch so vage. Seien sie auch noch so privat. Das ist nicht nur in der Sache stinklangweilig, sondern insofern bemerkenswert, als ein olfaktorischer Reiz um einiges mehr  konkret ist als eine spontane Befindlichkeit, entsprungen aus den vielfältigen Belanglosigkeiten des menschlichen Daseins. Trotzdem wissen wir über einen kräftigen Furz doch kaum mehr zu sagen als, dass er ordentlich stinkt.

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Editorial Januar/Februar 2020

Liebe Freundinnen und Freunde,

etwas großspurig kündigten wir in der Vorschau der vergangenen Ausgabe an, Standort West 01/20 würde erscheinen, sobald ihr wieder nüchtern seid. Nun begab es sich wohl, dass wir als Redaktion selbst etwas behäbig aus dem Jahreswechsel herausstolpern und bitten somit das arg verspätete Erscheinen der ersten Ausgabe dieses Jahrzehnts zu entschuldigen.

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Interview: Sex ist mein Beruf

Oktoberfest die ganze Zeit

von Patrice Lipeb

Eine Wohnung in Leipzig. Pistorius und ich sitzen am Küchentisch. Ich trinke Rotwein. Er schlürft Tee und schnäuzt sich. Ist komisch, einen Freund über sein Doppelleben auszufragen. Noch seltsamer, darüber zu schreiben. Dass Pistorius anschaffen geht, war mir kein Geheimnis. Vor ungefähr fünf Jahren kam er eines Nachts in den Laden. Schlimm verfeiert fabulierte er irgendwas über Waschbären – aber eben auch übers Anschaffen. Ich machte Bar und hörte zu. Ich glaube, es war gleich an unserem ersten Abend, als er mir von Weihnachten erzählte. Ich habe ihm versprochen, die Einzelheiten für mich zu behalten. Nur soviel: Er schilderte ein episches familiäres Desaster Homer‘schen Ausmaßes. Meiner Kenntnis nach war dieser Weihnachtsabend das letzte Mal, dass Pistorius mit seinen Eltern sprach. Ich für meinen Teil nenne ihn seit diesem Abend meinen Freund.

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Christmas Carol (alternate version)

Emil und die Korrektive

von Michael Fürch

Dieses Leben ist ein verkehrtes und schreckliches, nicht zum Aushalten.
– Søren Kierkegaard: Entweder-Oder (1843)

Ich bin 13 Jahre alt und heiße Ngunoue. Ich lebe in Kongo-Kinshasa. In einem Dorf. In der Nähe von Likasi, das ist die nächste größere Stadt. Hier ist gerade Regenzeit. Bei Emil schneit es. Heute ist ein Brief von ihm gekommen. Ein Foto ist auch dabei. Darauf ist ein Baum zu sehen, der hier nicht wächst. Er hat kleine grüne Nadeln statt Blätter. Es ist weißes Pulver auf den Ästen. »Das ist Schnee«, schreibt Emil in dem Brief.

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Reißig und Völker müssen reden (15)

Richard Wagner war auch nur ein Linker oder die Ratte in der Jacke

Für diese Ausgabe ihrer Konversationsreihe begaben sich Rising Reissig (Arzt) und Timm Völker (Patient) in den Palast von Rising, um dort ihre erotische Reise fortzuführen. Ihrer selbstauferlegten Doktrin folgend, versuchen RR und TV auch diesmal am Thema der Ausgabe zu bleiben und gegen den inneren Drang,  Phantasmagorien zu bilden, anzukämpfen. Ob sie in diesem Kampf gegen sich selbst den Sieg davon getragen haben, entnehmen Sie bitte dem folgenden Gesprächsausschnitt:

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