EDITORIAL

Liebe Lesegemeinde!

Allerorts begegnet Mensch heutzutage einer umfassenden Rücksichtslosigkeit. Nicht nur auf dem weltpolitischen Parkett, den Kaufhallen und den rechtsfreien Räumen des Internets – Jeder ist sich selbst der nächste und einem nötigen Paradigmenwechsel wird höchstens in den Echokammern wohlhabender Nachbarschaften oder in den Essays belesener Akademiker und Akademikerinnen Rechnung getragen. Aus diesem Grunde sahen wir uns veranlasst, unter der Leitparole »Als gäb’s kein gestern« dem gegenwartsfixierten Habitus einer All-On-Demand-Gesellschaft eine bunte, kritische und dennoch unterhaltsame Ausgabe entgegenzusetzen.

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NO FUTURE REVISITED

» Opa Patzy erzählt vom Krieg «

Irgendwann im Spätsommer vor ein paar Jahren » Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. « stand ich relativ fassungslos vor einem Denkmal in der Innenstadt. Genauer gesagt befand ich mich an der Südseite der beeindruckend repressiven Außenfassade der Mensa an der Karl-Liebknecht-Straße, Höhe Peter-Stein-Weg. Was mich in der Hauptsache irritierte, war die Inschrift oder vielmehr die Implikationen, die sich aus dem feinsinnigen Text ableiteten, der in steinernen Lettern das überwältigend schmucklose Monument Deutscher Geschichte zierte.

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INTERVIEW: Die Zeit in den Dingen

– ein Gespräch über Gegenstände von gestern und was wir heute in ihnen sehen

Felix Henningsen arbeitet als Händler bei Goldstein & Co. einem Geschäft für hochwertige Möbel, Lampen und Einrichtungsgegenstände aus vergangenen Zeiten. Das Einrichtungskonzept des NBL-Eckladens hat er maßgeblich mitgestaltet. Als ausgewiesener Spezialist nahm er sich Zeit, um zu beantworten, warum wir uns so gern mit Dingen von gestern umgeben, sie am Leib tragen und in unserem Leben haben wollen.

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DENN GESTERN WAR HEUTE SCHON

… morgen

Wie oft habe ich schon überlegt, ob ich hinein gehe. Das Zögern an der Schwelle zur Bar ist ein letzter Trick zur Beruhigung der Moral. Die Entscheidung fiel schon Stunden vorher. Durch Erinnerungen an Schmerz, unterdrückten Trieb, aktuellen Stress, Mangel an Disziplin oder purem Egoismus. » Probleme «, die sich seit dem letzten Rausch im Inneren zu einem stinkenden Haufen aufgetürmt haben donnern wie eine Schlammlawine ins Tal des Draußen.

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REISSIG UND VÖLKER MÜSSEN REDEN (6)

– Die Räuber des Zaren und das braune Fett

Für diese Ausgabe ihrer Konversationsreihe begaben sich Rising Reißig (Arzt und Gastwirt) und Timm Völker (Musiker und Patient) nach ganz unten in Plagwitz. In einem Keller sitzend, bemühten sie sich sehr am Thema der aktuellen Ausgabe dran zu bleiben und gegen ihren Drang Phantasmagorien zu bilden anzukämpfen. Ob es ihnen diesmal gelungen ist, entnehmen Sie bitte dem folgenden Gesprächsausschnitt.

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APOTHEKENMUSEUM

Conversations-Lexicon der kaufmännischen Wissenschaften Eine vollständige Handlung-Encyklopädie für Banquiers, Kaufleute, Fabrikanten, Droguisten…und Geschäftsleute aller Art, Gera und Ronneburg 1835:

Axungia Hominis, Menschenfett: ein etwas festes, weißes, zartes, geruchloses Fett, welches ehedem gebräuchlich war und von gewaltsam getödteten Menschen genommen werden mußte.

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