à propos

goldrausch

von Andy P. Scholz

Was ich denke? Interessiert dich das? An fast schon ganz in die Knie gegangene Lagerfeuer und zerknieten Sand und an kniende Erwartung unter goldkörnigem Mond am strömenden Fluß denke ich, und an all den bebilderten Wild-West-Mist, und an dich, jetzt übermüdet und aufgeregt im Bett… Und dass dort im Westen vor Jahren nichts und jetzt nichts weniger als viel von dem ist, was los ist, wenn man jung sagt, da ist was los und dass ich also so goldig war, mein Herz als Sieb in das nachtlichtleuchtende kontingente Wasser der Lützner hielt und schüttelte und dumm guckte, als ich plötzlich in gesprächstollem Kneipengeruch dich vorgestern wiedersah und, und das ist so ne Geschichte mit dir:

-Hey! -lang-nicht   -hm -küssen  -klar -gehen dann ins Tipi-na, bin plumpsmüde, spring gleich ins Bett-ich komm zu dir?… und nach dem Klingeln, schaute ich auf den Gang vor mir, von dir, zu mir, und wer hält das aus, wenn du so lachst und mit Augen wie KullerGuckeln aus blauem Marzipan mich direkt, und das waren so Gründe
und
deswegen verschwand ich kleiner Plumps zurück ins dämonensichere Bett und schrie in die Bettdecken hochgeschobenen Panik: – Blut sollte die Wände hoch laufen, der Teufel die Gardine reiten, Rumpelstilzchen und Lord of the dance klappernd stepptanzen, um wildes Bettundmich-verbrenne des Feuer: Gut, dass niemandweiß,dassicmirindiehosenschei…
und,
und du nackig, herrje! und unter der kribbelkrabbeligen Decke, unter der einen ersten Hallowiegehtsdir-Umarmung, also unter dir beim Küssen, da hast du so geseufzt hinter dem versteckten Weidenbaumhaarvorhang, irgendwo mit heulenden Koyoten und klitzeklein und gewaltig, und das wirkte wie Erlösung, als ob durch einen düstere Prärie du dem Licht entgegen, und ich, angezündet wie eine Fackel, fühlte mich werweißwie mächtig, aufgelöst und beruhigt, restlos meine Nase im verrauchten Haar von dir
und
wie ich dann an dir ganz in Haut rumkroch wie ein klebriges Insekt
und
irgendwann dann schlief die Nacht mit dir, und dein Ding ist es, bei Typen, hab ich ja von dir gesehen, dass du eine Hand drunter, und dich in die Haare der Brust klemmst, Affenbaby, kleine Raupe im großen Gras, ganz verschlafen, reinkriechend, ganz fest und noch kleiner als vorher und immer kleiner und tiefer hinein, und da lag ich, flach, eine einzelne Scheibe Fleisch, abgeschnitten, runtergekommen, übriggelassen, mit dir an mir, und aus dem noch feuchten Bart stieg mir dein Geruch in die Nase und ich genoss und war ganz für dich, dein Besitz, die totale Aufgabe, ich wählte mich für dich, ich nahm dir das ab, du hattest gewonnen, ich sagte es dir nur nicht
und
den Tag zusammen wollte ich dich in meiner Nähe, ganz dick von Fragen auf der Wiese, stopfte ich dir was unter, ließ dich aufgeplustert und bauschig größer werden, schweben, mit meinem Kopf auf deinem Bauch wollt dich unten bei mir halten… – also nur einen Festen, also ich konnte das noch nie, will das, wie ein kurzes leichtes Erlebnis, mehr nicht… sagtest du der Ente da vorn, die untertaucht, die Latschen hilflos im Wind… – mit denen ich auch schlafen möchte? lass mich überlegen, nein, da kennst du keinen, mein Freund, der kennt sie, wusste ja auch von dir… aber da schaute ich grad zur Ente… – Hey, muss los! Hab noch was vor!
und
nach deinem Abschied, und als ich durch die Dummheit hindurch durch die Tür trat, weil ich nachdachte und nachdachte, dass nach sowas heimfahren ungefähr genauso dumm wäre, wie dir hinterher, und also auf bindfadenspitzen Gefühlen der Unsicherheit und also in der Weisheit des freien Falls balancierend, also gestern durch die KellerClubund-Tanztür trat, sah ich dich gleich, und hin war ich, und fast gleich zu dir, und wie wir knutschten, und wie wir dort Stirn an Stirn uns beguckten: auf einmal ich Romeo aufhörte zu atmen, und ich dachte, das ist es, was es auch immer ist, aber so sollte es sein, was sein soll, und da seufzte ich, sowas von erlöst, und in deine Augen zu schauen in deine Augen zu schauen, das ist, das ist wie, wie, was soll ich sagen? …und du dann aber, schautest du aber, mit den Augen, mit genau den Augen, leicht über meine Schulter, mit den selben Augen, das merkte ich…
und
was soll ich dir auch jemals sagen? dass ich plötzlich unglaublich müde wurde? oder? wie ich heimwärts schwer die Welt unter mir unter dem Rad rumdrehend dachte: Kacke! Dich mit ihm dann zu sehen, und all der leichte Tanzbodenquatsch, und dass ich mir in meinen Pürzel biss, den Kopf im verwässerten Horizont? Dass mir das alles nicht so leicht ist
Gold
ist schwer, und was alles golden ist!? schweigen! Ich schweige dir, vorsätzlich… mein Herz: ein Sieb, dein Bild rieselt hindurch, und hier denk ich an dich dort im Westen und frage: waren die koksigen 20er golden, weil wie im Wild-West-Goldrausch nach etwas gesucht wurde? nach Loslösung? vom klebrigen, täglichmetronomischen Tremolo schwersandaufgefüllter Herzkammern? Vielleicht, dass ein Klümpchen?…
Als
ich längst an der Theke ertrunken treibe, daran denke ich die ganze Zeit, und du nochmal in meine Arme kommst und flüstertest mit deiner Jacke in seinem Arm: – Danke! Bis bald, oder? Bis bald doch? Wir sehen uns wieder, was denkst?
Na klar, komm, wenn du fertig bist, klingle bei mir, schlaf bei mir, schlaf mit mir, ich liege hier
und
bin ganz und gar gelähmt von dir…