Die letzte Bastion der Freiheit

Mikael Eriksson singt und erzählt mit seinem Späti-Orchester von der Wende-Zeit in Ost-Berlin.

In einer Mischung aus Spoken Word und Blues-Songs dokumentiert der schwedische Künstler Mikael Eriksson in seiner Performance “Songs From A Späti” die Veränderungen des Nach-Wende-Berlins und die Situation des verschwindenden und abgehängten Proletariats, wie er es zwischen 1990 und 1999 selbst erlebt hat. Am 8.11. wird er im NBL gemeinsam mit dem „Späti-Orchester“ dem Publikum die tragikomischen trotzigen Stories und Erlebnisse seiner Figuren auf berührende und persönliche Weise nähern bringen.

Fischkopf, der Gerüstbauer und der Engländer, ein IT Programmierer, diskutieren bei einem Bier die Chancen von Union Berlin in der Bundesliga und den Sinn des Lebens. Rudi wohnt schon 50 Jahre gemeinsam mit seiner Mutter hier im Haus. Sie ist 90 und kam kurz nach dem Krieg aus der Slowakei nach Berlin. Ganz oben im Haus wohnt Ramona, sie ist jung und fährt Mercedes und kann es sich leisten Berlin im Winter Richtung Amazonas zu verlassen. Gemeinsam tanzen sie, spielen Tischtennis oder bauen eine Landebahn für Außerirdische auf der Danziger Straße. Der Chef des Spätis ist ein in West-Berlin geborener Türke. Manchmal hilft sein Vater aus und erzählt von den glücklichen Jahren vor der Wende in Kreuzberg. Hier haben alle ihre Probleme mit den neuen Verhältnissen. Keiner ist sich sicher, ob der Mauerfall eine gute oder schlechte Sache war. Oder wie der Captain zusammenfasst: “Kann sein, dass wir unfrei waren. Aber wir hatten kein Angst vor dem Briefkasten.” Und so finden sie sich jeden Abend im Späti zusammen. Mikael Eriksson stellte für diesen Abend eine Band aus alten Wegbegleitern aus Berlin und Schweden sowie Musikern aus Leipzig zusammen, die am 8.11. erstmalig aufeinander treffen. Nach einer öffentlichen Probe um 14:00Uhr findet die Performance um 19:00Uhr im Salon des Noch Besser Leben statt. “Es soll eine freie Atmosphäre entstehen.”, so Eriksson. “Die Leute kommen zusammen und plötzlich fängt jemand an, ein Lied zu spielen. Andere steigen ein oder schauen zu und trinken Bier.”