Betonburg

von Alex Röser

Während sich auch die letzten Idealisten so langsam an den Supermarkt im Westwerk gewöhnen und sich Christoph Gröner an der Seite von Didi Mateschitz schon lange in den Herzen der Leipziger Fußballfans festgespielt hat, scheinen alle Messen in den Freiräumen des Leipziger Westens gesungen.
Dass dem noch nicht so ist, zeigt der Betonkiste e.V.

Ich treffe Svenja und Flo in der Diezmannstraße. Gegenüber des Wagenplatzes befindet sich die Trainingsstätte des TuB Leipzig – ehemals die BSG Motor West Leipzig, als das anliegende Gewerbe-Areal in Betrieb genommen wurde. Dort, zwischen Getränkelieferant und Weltenbummlerhaus, sitzen wir neben einer schmucklosen Halle aus Beton, Typ Möbelhaus mit Faltdach und Kachelfenstern. Wir schenken uns Gin aus einer etikettenlosen Flasche in ebenso schmucklose kleine Gläser. Das in zeitloser Ästhetik sozialistischer Effizienz-Architektur gehaltene Gebäude ist Namensgeber des Vereins Betonkiste e.V.. Dieser ist wiederum ein Zusammenschluss aus sechs Gruppen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Werkstätten, wie das Kollektiv Nägel mit Zöpfen, aber auch um das Büro für angewandte Folienforschung BAFF und die Crew des Keine Fische aber Grethen. „Wir sind seit einem Jahr ein Verein, unser Nahziel ist es aber, eine GmbH zu gründen und im nächsten Schritt dem Mietshaussyndikat beizutreten“, so Svenja von den Grethen. „Um dann Anfang nächsten Jahres die Halle zu kaufen“, ergänzt Flo von der Metallbaugenossenschaft Konstruktiv eG. Die Formalitäten sind diesbezüglich bereits fixiert, die derzeitige Eigentümerin ist schon dabei, ihre verbleibenden Flächen zu räumen. Auf den 1500  Quadratmetern, welche die Betonkiste auf zwei Etagen umfasst, befinden sich bereits Arbeitsräume, Lager und Werkstätten, unter der Woche ist hier eigentlich jeden Tag jemand anzutreffen. Die einzelnen Partien des Betonkiste e.V. verwirklichen sich somit einen Traum vom selbstverwalteten Freiraum, welcher auch auf lange Sicht nicht etwa durch einen Christoph Gröner gefährdet wird und rufen dazu auf, es ihnen gleich zu tun. Wichtig sei dabei die Vernetzung, betonen Svenja und Flo. Zum einen etwa im Mietshaussyndikat, zum anderen aber auch privat. Die Betonkiste lädt dafür regelmäßig in die Betonbar. Jeweils zum letzten Dienstagabend wandert eine mobile Bar Monat für Monat durch die Räume des ehemaligen Möbelhauses, offeriert günstige Kaltgetränke und warme Suppe. Neben der Selbststrukturierung und der Vernetzung mit anderen Projekten ist allerdings natürlich auch die Finanzierung ein wesentlicher Parameter. Und hier ist das Projekt Betonkiste noch immer auf Hilfe angewiesen. Direktkredite ermöglichen den Kauf der Halle. Zurückgezahlt werden diese durch Mietzinsen, welche die einzelnen Parteien nach dem Kauf an den Verein entrichten. Wenn ihr also noch einen Schein über habt, fühlt euch höflich gebeten, dieses Projekt zu unterstützen.

TEASER: Die Grethen-Crew plant die Eröffnung eines eigenen Clubs, sobald der Ausbau der Betonkiste abgeschlossen ist.

<<BETONBAR>> 26. November, Diezmannstraße 20

Konstruktiv eG – www.konstruktiv-eg.de
Nägel mit Zöpfen – www.nmz-holz.de
BAFF – www.baff.space
Sir Holzelot – www.holzelot.de
Momochrome – www.momochrome.de
Keine Fische aber Grethen – www.grethen.org