Drei Wege zur Wahl

von Timm Völker

Am 1. September ist die Landtagswahl in Sachsen. In der Redaktionssitzung zur vorliegenden Ausgabe wurde durch die Chefredaktion postuliert, dass es unsere journalistische Pflicht ist, die aktuelle politische Lage nicht unkommentiert zu lassen. Nach Konversation über das Für und Wider wurde deutlich, dass die Gesamtsituation nicht rosig aussieht. Ich selbst fuhr im Anschluss mit flauem Magen, aber dem Bedürfnis der obigen Aufforderung nachzukommen, auf dem Fahrrad durch den Wald. Pedalierend kam ich zu dem Schluss, einen möglichst sinnstiftenden und amoralischen Beitrag zu verfassen, indem ich Ihnen, verehrte Leserin und verehrter Leser, Vorschläge unterbreite, wie Sie den Wahlsonntag, 1. September 2019, gestalten können:

Welche der drei genannten Varianten Sie, geneigte Leserin oder Leser, für sich am geeignetesten halten, steht Ihnen frei. Sie sind frei und haben die Wahl. Das ist Demokratie. Vollkommen unabhängig davon stehen Ihnen selbstverständlich die Türen der Etablissements, deren Kulturorgan dieses Magazin ist, am Wahlsonntag offen, um dass Ergebnis würdevoll oder würdelos begießen zu können. An dieser Stelle sei auch auf den Veranstaltungskalender verwiesen. Denn egal ob Verlierer oder Gewinner – getrunken wird immer.

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WÄHLEN GEHEN UND EINE STIMME FÜR DIE PARTEI ABGEBEN, DURCH DIE MAN SEINE MEINUNG UND HALTUNG VERTRETEN SIEHT ODER DIE EINE MIT DER EIGENEN HALTUNG AUSREICHEND VERNEINBARE POSITION VERTRITT.

Wo man seine Stimme abgeben kann, steht auf der Wahlbenachrichtigung, die man Ende Juli per Post erhalten haben sollte. Wer Sonntag gerne allein sein will oder wegen Saufen nicht gehen kann, kann Briefwahl beantragen. Ich selbst habe dies zur Kommunalwahl so gehandhabt. Man schreibt nach Erhalt der Wahlunterlagen eine E-Mail an die Stadt und bekommt ein paar Tage später einen Brief mit einem Umschlag drin, in dem sich der Wahlzettel befindet. Den kann man dann ungestört ausfüllen. Im Bett oder auf dem Klo (gleich mehr dazu), nüchtern, nackt, alles ist möglich. Dann geht man auf die Suche nach einem Briefkasten und schmeißt das Ding ein. Mit der Abgabe einer Stimme beteiligt man sich aktiv am Wahlergebnis.

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NICHT WÄHLEN GEHEN.

Als Angehöriger der Gruppe der Nicht-Wähler entzieht man sich dem Irrsinn der anderen. Wenn man sich durch keine der zu Wahl stehenden Parteien vertreten sieht und ebenfalls sonntags nicht raus will und auch keinen Briefkasten aufsuchen möchte, ist das eine Option. Besonders eignet sich diese Variante auch, wenn man sich selbst mal wieder schuldig fühlen will oder die Paranoia etwas befeuern möchte. Die nicht abgegebene Wahlstimme wirkt sich nicht auf das Wahlergebnis aus. Es gibt in Deutschland keine Mindestwahlbeteiligung, ab der ein Ergebnis gültig ist. Auswirkungen hat die Nicht-Wahl lediglich auf die Statistik der absoluten Wahlbeteiligung.

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WÄHLEN GEHEN, ABER UNGÜLTIG.

Diese Variante richtet sich an jene, die sich durch keine Partei vertreten fühlen, aber im Gegensatz zu 1. und 2. Lust haben, sonntags raus zu gehen oder im Falle der Briefwahl einen Briefkasten aufsuchen möchten und an all jene, die kreativ sein wollen. Ungültig zu wählen ist auf verschiedene Arten möglich. Als Beispiele: Das Kreuz nicht im Kreis machen, gar kein Kreuz oder zu viele Kreuze machen, den gesamten Wahlzettel durchkreuzen, als Variante hiervon sei das Hakenkreuz genannt, einen kleinen Jesus am Kreuz auf den Wahlzettel zeichnen, ein Gedicht auf den Wahlzettel schreiben, den Wahlzettel als Toilettenpapier benutzen und dann abgeben. Bei letzterem kann es allerdings dazu kommen, dass man ungewollt vom Nichtwähler zum Wähler wird, wenn Kotspuren so auf dem Wahlzettel zurückbleiben, dass sie durch Wahlhelfer als korrekt gesetztes Kreuz gedeutet werden. Das ungültige Wählen hat ebenso wie das Nicht-Wählen keine Auswirkung auf das Wahlergebnis.