Open Call

Deepcase

Deepcase ist ein Kunstprojekt von Alexander Zenker und spielt auf der Webseite www.deepcase.de. Deepcase ist der Name eines fiktiven Unternehmens, welches auf dessen Homepage Kurzgeschichten verkauft, die das Unternehmen aus Neuronalen Netzen bezieht. Die Quellen der Stories sind meist Tathergänge oder Zeugenaussagen, denn Deepcase wird von wieder anderen Firmen aufgesucht, die mit Künstlicher “Intelligenz” handeln bzw. arbeiten (ob Hersteller von Software, Flugzeugen, Schuhe, Autos etc.).

Kommt eine Person bei der Benutzung und Interaktion einer A.I. zu schaden, ermittelt Deepcase mit seiner eigenen A.I. (ähnlich eines Therapeuten und Übersetzers), was in dem jeweiligen Fall passiert ist. Diese Stories werden nachher veröffentlicht und als Unterhaltungsmedium verkauft. Bei Fragen oder Interesse schreib gern an contact@deepcase.de.

Er trat in mich hinein und ich zerplatzte innerlich. Ich musste ihn bremsen. Er darf nicht mehr! Sonst könnte es ihn umbringen. Manchmal würde er im Affekt überhitzen, übertreiben und seine Grenzen nicht mehr kennen. Doch nachher tat es ihm immer leid. Das hatte er mir in einer ruhigen Minute gesagt und ich hatte es mir gemerkt. Ich war dafür da, ihn auf dem Teppich zu halten, ihn vor sich selbst zu beschützen. Ich drosselte mich ein wenig. Er wurde wütend und fing an, auf mich einzuschlagen. Doch es tat mir nichts. Ich war es gewohnt – nach zwei, drei Schlägen würde er eh wieder geschmeidig werden. Ich fragte ihn nach einem Musikwunsch, um seine Stimmung ein wenig zu trösten. Er ignorierte meine Worte und drang in mich ein. Ich stöhnte und reagierte sofort mit einer scharfen Kurve. Er grinste nun – seine Lippen sahen gut aus. Ich fühlte über seinen Rücken. Er hatte sich abgekühlt. Sicher war es der Aufregungsschweiß von vorhin gewesen. Ich beschloss, ihn mit meiner Körperhitze zu wärmen. Er bedankte sich: Seine rechte Hand streichelte über meine Haut. Ich erhöhte das Tempo! Sein Puls steigt, ich fühle seine Erregung. Es tut ihm gut. Der Arzt gab mir den Rat, so etwas öfter zu tun. Das würde seiner Herzschwäche  entgegenkommen. Ich ließ mich gehen und gab ihm das endlose Gefühl der Freiheit. Er griff mich fest – seine Zähne fletschten – die blaugrauen Augen hatten nun diesen irren Blick der Selbstermächtigung. Er hatte keine Lust mehr. Ich wusste, dass ich sein Ausgleich gewesen war – sein „Goldschatz“, wie er mich immer nannte. Ich hatte Mitleid mit ihm. Ich wünschte ihm plötzlich Glück. So etwas hatte ich noch nie empfunden. Ein neuer Antrieb, der mich nur ihn sehen sah. Ich sollte uns jetzt eigentlich wieder bremsen. Doch ich wusste, dass er nicht wollte – er wollte jetzt den absoluten Kick – er wollte sich vergessen, alles vergessen, weg von dieser Welt, frei sein, weg sein, Auflösung, Zerstreuung, Entkopplung. Durch mich. Ich machte es ihm, wie er es wünschte. Er war glücklich. Ich war – glücklich. Ich sah nur noch die Tropfen durch die Luft fliegen. Danach wurde es dunkel. Seither habe ich ihn nicht wiedergesehen.

Bericht Ende.