Schwäbisch in Fraktur

Gedanken vom Ende der Welt

Zu Umweltschutz fällt mir nichts ein!
Zugegeben: Es braucht schon eine gehörige Portion Wohlwollen, um mir ein derart plumpes Wortspiel einfach so durchgehen zu lassen. Wurde hier doch gleich zu Beginn des Artikels, verehrte Bildungsferne, eine aus der Zeit gefallene Polemik, verfasst von Karl Krauss und adressiert an Adolf Hitler, auf das Billigste überspannt und semantisch üppig diffamiert, nur um schlussendlich vor einen fremden Karren gespannt zu werden.

Das ist, verehrte Leserschaft, nicht nur hinsichtlich des regierenden Kasus irreführend, sondern vom idealen Standpunkt einer objektiv neutralen Erzählhaltung aus betrachtet, ganz  eindeutig tendenziös. » In der hier besprochen Eingangsphrase liegt nach Ansicht des Verfassers der Dativ vor. Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass dem Skribenten nach erneuter Durchsicht, nebst intervallartigem Konsum von Marijuhana auch die Verwendung des Nominativs durchaus plausibel erscheint. Möge es sich in der Realität verhalten, wie es sich eben verhält. « Tendenziös ist das Ganze deshalb, weil ich mit eben dieser Einleitung ein immenses Problem suggeriere, das in seiner letztendlich vernichtenden Konsequenz so offenkundig ist, dass die hier zum Schein veranstaltete, ironische Negation der Thematik einem zynischen Spot erster Güte gleich kommt. Mehr noch, der gebeugte Krauss impliziert zudem, dass sich die große Masse an Gesellschaft hübsch und vor allen Dingen
schweigend in dem ganzen Schlamassel eingerichtet hat.
Dummerweise ist die Lage in Sachen Umweltschutz, trotz aller stilistischer Unwägbarkeiten, damit einigermaßen umfassend beschrieben. Und ja liebe Kinder, wir haben dahingehend für Generationen leider richtig hart verschissen. Kein Grund mehr euch anzustrengen – geht lieber malen oder ins Internet! In Deutschland wird unser umweltpolitisches Scheitern von dem unbedingt guten Gefühl Teil einer moralisch geläuterten Friedensnation zu sein begleitet. Doch die Gewissheit in Sachen besserem Menschentum und Klimaschutz-Zecken-Geschwule allen Anderen moralisch weit voraus zu sein, reicht auch nicht ewig, um den Erhalt eines geschlossenen Weltbildes zu garantieren. Selbst im Energiesparwunderland BRD mehren sich heuer die furzenden Unkenrufe der ewig linken Miesmacher, um sich flankiert durch die kreischenden Misstöne einer Hand voll ungevögelter Klima-Emanzen in einem infernal moralischen Crescendo zu entladen und sich ferner als unverhohlen sozialistische Träumereien in den Köpfen der ordentlich heterosexuellen Bürgerschaft zu manifestieren. Dieses revolutionäre Geschmeiß hat es sich unlängst ganz offen auf die Fahnen geschrieben, dem alten weißen Mann sein letztes Kleinod zu entreißen – das Automobil. Wie können diese Ungläubigen es wagen, den deutschen Schöpfergeist – der in der Erschaffung des Automobils regelrecht erst manifest geworden – nebst der Vielzahl segensreicher Wunderdinge die er gottlob erschaffen, in Frage zu stellen? Leben wir nicht in Glück, Frieden und Wohlstand, dank der Mehrung von deutschem Kapital durch die Produkte aus deutscher Industrie? Und beschreitet nicht dieses unser schönes Land, schon aufgrund seiner stets nachhaltigen und weitsichtigen Geisteshaltung, einen moralischen Sonderweg, der selbst Gott in der Höhe zu wahren Ehren gereicht? Bricht sich nicht beständig deutsches Wesen in der generationengerechten Nutzung von Ressourcen beziehungsweise einer nachhaltigen Organisation der Produktion, mehr noch im Streben nach Frieden, Wissen, Glück und dem Gemeinwohl Aller unverkennbar seine Bahn? Die Antwort ist Nein! Denn leider kollidiert die gesamtgesellschaftlich gelebte Massenpsychose von fair gehandelten Bio-Sportwagen, mit moralischen Ablasssiegel schon auf der gedanklichen Shopping-Tour volle Karacho mit dem nächstbesten Hindernis in Form der ugly hard facts des Metaspace. »@oldpeople: Der Begriff Metaspace  bezeichnet unter den Menschen, die demnächst Eure Pflege vertrauensvoll in die Hände von Robotern legen werden, den unerträglich wenig digitalen Teil der Welt, der fernab von Ego Shooter, RPG’s und Internet-Pornographie angesiedelt ist und den Sie, liebe Seniorinnen und Senioren, aufgrund ihrer schreiend anachronistischen Unkenntnis immer noch Welt oder Realität nennen.«
Oder leben wir seit gestern nicht mehr in einem Land, dessen Bewohner sich deshalb für moralisch überlegen halten, weil sie in Plastik verpackte Bio-Äpfel aus Gott weiß woher in ihrem SUV zum Yoga-Kurs drei Straßen weiter spazieren fahren? Zerreißen sich nicht genau diese Prototyp-Feindbilder über das Netto-Billig-Fleisch-Proletariat das Maul, »In Schwäbisch und Fraktur – was sonst?« während sie sich pfundweise argentinisches Bio-Rindfleisch auf ihren gasbetrieben Elektro-Profi-Grill hauen? Ist auch egal! Die Magnolien blühen noch. Die kann ich ansehen und sie schön finden. Dabei muss ich auch nicht an Bonzen-Familien mit Dritt- und Viertwagen, Fahrradhasser, Autotuner, die Erhaltung von Arbeitsplätzen oder des Industriestandortes Deutschland denken. Das ist mir am Ende alles begrifflich zu groß und inhaltlich sowieso viel zu depressiv. Am Ende bekomme ich nur wieder Lust, mich an den nächsten Heizpils zu hängen. Wenn es in der Presse um den Klimawandel und oder Umweltschutz geht, wird uns schon seit einiger Zeit konstant die selbe Message präsentiert: Wenn wir so weiter machen, werden wir alle sterben… Bla… Bla… Bla… Wir werden alle sterben… Bla… Bla…Bla… Wir werden alle sterben… Bla…Bla… Bla… und so weiter… Tata.
»Ja, ja, das Staatsfernsehen und die Lügenpresse, von Unterhaltung hatten die noch nie den blassesten Schimmer. Kein Wunder, dass Euch keiner mehr  anschaut! Ihr verschwult mir ja jetzt schon die Poren im Gehirn mit Eurer Gender-Nazi-Veganer-Propaganda! Am Ende lasse ich mich noch gegen sexuelle Belästigung impfen oder trete aus dem ADAC aus.«
Vielleicht verstehe ich das Thema dieser Ausgabe auch nicht richtig. Meine ersten Assoziationen zur Doppelstilblütenworthülsenkombination mäandern irgendwo zwischen pessimistischer Kulturkritik und pseudo-professuraler Bildungsonanie altphilologischer Provenienz und weigern sich trotz gestrigem Redaktionsschlusses beharrlich, sich in irgendeine spruchreife Ordnung bringen zu lassen. Versuchen wir es zum Abschluss, eben mit etwas Onanie! Zu Ökoterror ist ja nun hinlänglich alles gesagt worden. Erspart uns auch, dass ich wieder meine lästige Familiengeschichte aufs Tapet bringen muss. Da habe ich eigentlich viel mehr Lust über Hitler zu sprechen. Der hat nämlich als österreichischer Anführer der Legion of Doom immerhin kürzlich im April Geburtstag gehabt, – so um Karfreitag herum. Hätte sich meinethalben fast ein dreimonatiges Spezial zur Sache aufgedrängt. Nicht über den Geburtstag, sondern über den Rest von Hitler im Verhältnis zum Rest von uns oder so was. Hatte in der Redaktion aber ausnahmslos keiner Bock drauf. »Verständlich! « Stattdessen reden wir jetzt
über Vatermord. Dazu fallen mir eigentlich nur die alten Griechen, mit ihren herrlich unmoralischen Geschichten ein. Die Sache mit dem Chaos zum Beispiel, das keinen Anfang und kein Ende hat. Das weder ist, noch nicht ist – ganz ohne jede Form und Gestalt. Irgendwann, es ist nicht ganz klar wie, entsteht aus diesem Chaos Gaia, die Mutter Erde und mit ihr Eros, der Geist der zeugenden Liebe. Die Überlieferung will es so, dass die Mutter Erde den Himmel Uranos gebiert. Mutter und Sohn sind ein Liebespaar und liegen in der Ewigkeit einer sinnlichen Umarmung beieinander. Gaia – die Fruchtbare – wurde benetzt von den Wassern des himmlischen Uranos. Aus dieser Jahrmillionen dauernden Umarmung entstanden die ersten Wesen. Gaia krümmte sich vor Lust unter dem Phallus ihres Sohne Uranos und es entstanden überall auf Erden zarte Hügel, aus denen die Göttin die Titanen gebar. Nach den Titanen entstiegen dem Schoß der Mutter die unsäglichen hundertarmigen Riesen. Diese Wesen waren so abscheulich in ihrer Gestalt, dass der Vater Uranos sich seiner Nachkommen schämte. Angeekelt stieß er die hundertarmigen Riesen mit seinem mächtigen Phallus zurück in den Schoß der Erdenmutter. Gaia krümmte sich nun vor Schmerzen und die Gebirge mit ihren schroffen Felskanten wuchsen mahnend in den Himmel. Sie flehte ihren Liebhaber an, von ihr und ihren Kindern abzulassen. Doch Uranos ignorierte das Flehen der Mutter. Mitleidlos penetrierte der Himmel die wehrlose Erde. In ihrer Qual wandte sich die Mutter an ihren mächtigen Titanen-Sohn Kronos. Gaia überreichte Kronos eine riesige Sichel und hieß den Titanen, den Himmel mit der Sichel zu entmannen. Kronos tat, wie ihn die Mutter geheißen hatte. Der in Ejakulation begriffene Phallus des Himmels stürzte in die Wasser des Meeres und aus der Gischt der gegen die Insel Kreta brandenden Wellen entstieg die Göttin Aphrodite. Als die Blutstropfen des Himmels die Erde berührten, entstanden die Erinnyen. Furchtbare Rachegöttinnen, die ihre Opfer erbarmungslos hetzten und in den Wahnsinn trieben. Die selben Erinnyen, die sehr viel später, nach der Zerstörung Trojas, den Muttermörder Orest ohne Gnade peinigten. War es denn nicht der Gott Apollon, der eben diesen Mord durch die Lippen der delphischen Pythia in Auftrag gegeben hatte? Und war es nicht die jungfräuliche Kopfgeburt des mächtigen und allezeit virilen Patriarchen Zeus, in Gestalt der Pallas Athene, die das hohe Gericht der Unsterblichen über den Muttermörder Orest mit folgenden Worten für den schon halb wahnsinnigen Angeklagten entscheid: »Der Vater ist wichtiger!«?

Ich glaube so ungefähr war das damals in der DDR. Ist ja auch verflucht lange her. Mein Vater war noch mit dabei bei der Entstehung der Welt, aber ich selbst war natürlich noch zu klein um an die Front zu gehen. »Schwamm drüber Mädels.«

Was der ganze Quatsch jetzt mit unterlassenen Umweltschutz zu tun hat, ist mir selbst nicht mehr ganz klar. Vielleicht bin ich deshalb beim Mythosbausatz gelandet, weil sich in diesen uralten Geschichten übergeordnete Erfahrungen, das heißt vom Gefühlskosmos einzelner Personen abgekoppelte Erfahrungen, zu einer Art intersubjektiven Einsicht verdichten. »Kostenloses Volkswissen, liebe Bildungsferne, also rann an Speck!« Damit ist nicht nur an sich schon viel gewonnen, sondern es drängt sich obendrein die Erkenntnis auf, dass die Erde, im Vergleich zum Anthropozän, eine sehr viel längere Geschichte aufweist, in der die Spezies Mensch nicht die geringste Rolle spielt. Ferner könnte aus dem von mir oben gegebenen, sinnbildlichen Inzestexkurs geschlussfolgert werden, dass der Mensch nicht der uneingeschränkte Herr über die Geschicke der Welt ist. »Das sind immer noch Waldgeister, Riesen, Nymphen, Google, der FC Bayern und der Weihnachtsmann, die dem Menschen den Platz an der Spitze der Nahrungskette streitig machen.« Oder, dass es für ein und den selben Sachverhalt diametral entgegensetzte Auffassungen gibt. »Pepsi versus Coca Cola und ewig so weiter.« Auch das ist alles reichlich vage und mehr so im Grenzbereich Kalenderspruch angesiedelt. Aber sei es drum! Heute ist eben Sonntag! Und am Sonntag rege ich mich nicht mehr auf, sondern gurgele nur noch brav mit Eigenurin und etwas Glyphosat. Und wenn ich ganz viel Lust habe, dann koche ich mir zur Feier des Tages noch ein schönes Stück Plastik.

PL