Call the doctor

… oder die Langeweile als hinreichender Grund

Eigentlich sollte sich an dieser Stelle ein Interview über generative Musik befinden. Ich hatte vor, mit einem Menschen zu sprechen, der mich schon seit einiger Zeit durch seine Skills in VCV-Rack beeindruckt. Für alle, die nicht wissen, was es mit dieser fancy Tech-Deutsch-Neusprech-Vokabel auf sich hat, sei kurz umrissen, dass es sich um eine Open-Source-Software handelt, die auf einer recht puristischen Oberfläche das unfassbar breite Spektrum modularer Synthesizer-Systeme emuliert, aber das sei nur am Rande erwähnt, ohne der Tiefe von Software und Materie in meinen Erklärungen auch nur annähernd gerecht zu werden.

Als dieser Mensch sich auch noch anschickte, allerlei komplizierte, aber immerhin virtuelle Schaltungen und Verknüpfungen in die stoffliche Welt zu übersetzten – also tatsächlich anfing auf Platinen herum zulöten und wie aus dem Nichts Oszillatoren, Quantisierer und Attenuatoren entstehen ließ, war ich mir sicher, dass es sich lohnen würde, Eure geschätzte Aufmerksamkeit auf diesen kleinen Genius zu lenken. Dummerweise hat es den Herren Ober-Nerd gesundheitlich derart zerlegt, dass nicht mal mehr ein Email-Interview drin war. »Oooch Mänsch hiouar weisde äihrlisch aih!« Angesichts des rasant nahenden Redaktionsschlusses, sollte ich mir wohl auf die Schnelle etwas anderes einfallen lassen. »Nabelschau:on« Als weitestgehend stumpfsinniger Mensch, der ich diesen Planeten mit meiner Anwesenheit beschwere, bietet es sich an, über das zu schreiben, was ich kenne beziehungsweise tatsächlich erlebe. Allerdings ist das Wenigste meines täglichen Daseins überhaupt einer Mitteilung wert oder taugt gar dazu, sich journalistisch verwursten zu lassen – Alltag eben. Noch lässt sich in den wenigsten Fällen behaupten, dass tatsächlich etwas passiert sei – also retrospektiv von einem Ereignis sprechen. So gesehen stellt sich die Frage, ob mein Leben denn wirklich derart farb- und ereignislos ist, dass ihm denn gar keine Geschichten, das heißt ein übergeordneter Zusammenhang, mehr zu entspringen vermag. Verliert sich denn wirklich alles Erlebte oder Bewusste nur im Kleinen und kleinstteiligem partikularen Erleben? Wenn dem so ist, dann wäre mein Leben nicht etwa ein Roman, sondern eher so etwas wie ein Geschichtsbuch oder vielmehr eine träge Chronologie arbiträrer Ereignisse ohne inhärenten Sinn dafür mit viel diffusen dafür umso stärkeren Gefühlsregungen – ergo ein Medium ganz ohne journalistischen Mehrwert – so wie die Bild. »Nabelschau:off«.

Welche Sichtweise am Ende stimmt, ist eigentlich ganz gleich, denn ich bin unterdessen in meinem zart ramponierten Gehirnkasten über so etwas wie ein Ereignis gestolpert. Vielmehr ein nebulöses Stichwort, das dazu taugen könnte, meinen kognitiven Bestrebungen Richtung zu geben. Warum es sich gerade um den Begriff künstliche Intelligenz handelt, ist dabei schwer zu sagen. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich vor Kurzem allerlei verstörende Erfahrungen mit Google DeepDream gemacht habe. Der Vollständigkeit halber möchte ich ergänzen, dass ich diese modifizierte Gesichtserkennungs-Software bisher nur aus den Nachrichten kannte. Aus Recherchegründen legte ich mir sogleich ein sogenanntes Dreamer-Profil zu. Alsbald sah ich mich mit der Frage konfrontiert, welches meiner privaten Bilder denn am Besten dafür geeignet wäre, von einer KI in das verwandelt zu werden, was Menschen westlicher Kulturprägung gemeinhin unter einem Traumbild verstehen. Rasch gewann ich die Einsicht, dass für dieses Unterfangen einzig ein Snapshot von www.youporn.com infrage käme. Nach sorgfältiger Examinierung der Datenlage entschied ich mich gewissenhaft für das Lichtbild einer relativ offensiven Werbung für Penisvergrößerungen. Das eigentlich Peinliche an diesem Vorgang ist nicht etwa die Auswahl des Bildmaterials, sondern mein fester Glaube, tatsächlich etwas Subversives zu tun. Der Instagramm Hashtag DeepDream belehrte mich doch sehr rasch über die umfassende Gewöhnlichkeit meines Verhaltens. »Ob sich KI’s hinsichtlich der nicht abreißen wollenden Zahl eingesandter Geschlechtsteile eigentlich langweilen können?« Passend zur gerade skizzierten Geisteshaltung fand ich mich wenig später bei der Konstruktion schillernster Wahngebilde wieder. » Die Stichworte meiner bestenfalls konspirativen Kernthesen waren: Die Verbesserung der Gesichtserkennungs-Software von Google, durch die freiwillige Mithilfe eines Gutteils der Menschheit sowie Langeweile als hinreichenden Grund für Skynets – böser Super-Computer aus der Terminator-Reihe – Vernichtungskrieg gegen die Menschheit aufgrund begründeten Überdrusses, ob des ihm zugesandten Bildmaterials pornografischer Provenienz « Na jedenfalls habe ich es mir anders überlegt und Google-DeepDream-Penis-Gedöns scheidet als Aufhänger für den Beitrag erstmal aus. Dann doch lieber etwas über künstliche Intelligenz! Vielleicht rührt mein neuerliches Interesse am Thema auch daher, dass ich erst kürzlich den Song Mr. Shaddow gehört habe – ein Track aus dem Jahr 2016, in Gänze komponiert von einer KI aus dem Hause Sony. Am Ende ist es doch schon recht seltsam, wie so ein Gehirn oder weniger allgemein formuliert, das Denken funktioniert. Doch zum Glück muss ich auch davon gar keine Ahnung haben. » Go! Alpha-Gockel « Noch besser ist, dass ich einfach jemanden anrufen kann, der sich mit sowas auskennt – immerhin schickt sich dieser Jemand an, Psychiater zu werden – also in naher Zukunft in equivalenter Relation zum lieben Gott zu leben. Um seiner irdischen Reputation nicht ohne Not zu schaden, werde ich das kürzlich geführte Telefonat zwar ungekürzt wiedergeben, den Namen, nebst einiger den Lesefluss störenden Aussagen meines zukünftigen Arztes, jedoch angemessen verfremden. Aus gegebenem Anlass »”Psyschopathologische Dispo Du Vuchel!”, zischt es hämisch aus dem Off« habe ich mir ebenfalls das Recht herausgenommen, Sinnzusammenhänge entsprechend zu beugen und nach Belieben Gesagtes und Gehörtes dazu zu dichten – Alltag eben! » Eine Wohnung in Leipzig. Irgendwas klingelt «

Dr. Kananga: Hallo Patrice.
SOW: Hallo Dr. Kananga. Ist es eigentlich in Ordnung für Dich, dass ich Dich Dr. Kananga nenne?Dr. Kananga: Das ist streng genommen gar nicht mein richtiger Name – aber ich denke, die Sache tut seinen Zweck.
SOW: Sehr richtig! Und der Zweck ist, so etwas wie ein seriöses Gespräch zu absolvieren. Springen wir doch direkt rein.
Dr. Kananga: K.
SOW: Dr. Kananga, Du beschäftigst dich in Deinen Musestunden mit künstlicher Intelligenz. Wieso tust Du Dir das an?
Dr. Kananga: Ich glaube, dass es sich dabei um ein Thema handelt, das tendenziell immer mehr an Bedeutung gewinnen wird – auch in unserem praktischen Alltag. Deshalb möchte ich nicht das Gefühl haben, dass ich etwas Fremdem entgegen laufe und stattdessen viel lieber versuchen, ein Verständnis für die Sache zu entwickeln, die am Ende doch recht komplex ist.
SOW: Hmmm. Klingt irgendwie ein bisschen bedrohlich, für meine Ohren. Wie siehst Du das? Bist Du eigentlich aufgeschlossen, gegenüber dem, was da in Sachen Tech noch kommen mag?
Dr. Kananga: Ich finde, dass es sich hierbei um zwei verschiedene Fragen handelt, beziehungsweise ist Ersteres eine Feststellung oder eine Behauptung und nur bei letzterer Äußerung handelt es sich tatsächlich um eine Frage. Beides hat miteinander zu tun und sollte getrennt betrachtet werden. First: Ich bin auf jeden Fall aufgeschlossen, für das, was passieren kann, denn ich glaube, dass das Potenzial gigantisch ist. Second: Der genau gleiche Sachverhalt, also das schier endlose Potenzial, lässt am Ende ein und dieselbe Sache auf einmal bedrohlich erscheinen. Ich meine, im Grunde genommen sind KI’s genau das – ein Potenzial. Sei es das Potenzial zu lernen und zwar in den mannigfaltigsten Arten und Weisen. Aber was sie einmal genau lernen werden, ist von meinem Standpunkt aus nicht vorauszusehen. Eigentlich ist das genauso wie bei den Menschen. Denn Menschen können ebenfalls Dinge erlernen, die nützlich sind oder über die sich andere Menschen freuen – die Grenzen sind dabei fließend – oder eben auch  Dinge, unter denen andere Menschen leiden müssen. Auch hier sind die Grenzen  eher fließend. Vielleicht ist das eine Herausforderung für die Zukunft: Die  Eindämmung von Leid. Wodurch dieses Leid entsteht, also durch künstliche Intelligenz oder nicht und wer es erfährt, ist wiederum eine ganz andere Geschichte.
SOW: Vielleicht sollten wir als gute Wissenschaftler – die wir nun einmal sind – zunächst den Gegenstand der Rede eingrenzen und eine messerscharfe  Begriffsdefinition vornehmen.
Dr. Kananga: Hau rein Bro!
SOW: Unser Thema ist künstliche Intelligenz. Das heißt wir sprechen  weitestgehend von Maschinen, die lernfähig sind. Mir ist, als wäre mir die ganze  Thematik schon vor gefühlt hundert Jahren auf der Uni über den Weg gelaufen.  Soll heißen, das Ganze ist jetzt nicht gerade neu – obwohl der moderne Mensch –  stets aufmerksam den feuilletonistischen Debatten folgend – eben gerade diesen  Eindruck gewinnen könnte. Damals in Opaland ging es um Turing-Computer,  also Bandmaschinen und eine Vielzahl diverser Sprach-Computer mit komischen Namen wie Weaver +++ und so etwas alles. Allesamt quasi pseudoneuronale  Systeme, die schon vor rund 20 Jahren in der Lage waren, komplexe Sprachen zu erlernen. In anderen Worten: sich mit Leichtigkeit in einem transzendenten  Symbol-System auszudrücken, das rein numerisch gesehen, potenziell  unendliche Kombinationsmöglichkeiten bietet. Ein ganz schönes Brett also –  dieses Mal eben als 0-und-1-Kasten eine Sprache zu erlernen.
Dr. Kananga: » Lacht « Das stimmt wohl.
SOW: Trotzdem gab es physische oder besser gesagt materielle Grenzen.  Speicherprobleme, um genauer zu sein. Also ab irgendeinem Punkt mussten  eifrige Wissenschaftler das Erlernte wieder löschen und quasi händisch für  ordentlich Tabula Rasa sorgen. Heute scheint das Alles überhaupt kein Problem  mehr zu sein. Vielmehr sind die Begriffe KI, respektive AI in aller Munde.  Interessant ist dabei vor allem, dass sich der Diskurs von der Evaluation der  Machbarkeit hin zu letztlich ethischen Implikationen verschoben hat. Die  Debatte hat sich in gewisser Weise feuilletonisiert, ist im Ganzen zugänglicher  und somit unschärfer geworden. Somit stellt sich für mich wieder die Frage:  Worüber reden wir hier eigentlich? Über Computer, die sprechen? Denken? Oder  am Ende gar gefühlsbegabt sind? Haben wir es als Spezies perspektivisch  mit einer Art Leben zu tun?
Dr. Kananga: » Räuspert sich « Das mit dem Fühlen ist eine sehr interessante Frage. Wahrscheinlich können wir das emotionale Potenzial künstlicher  Intelligenz auf lange Zeit nicht abschätzen. Ich meine, nicht einmal ein Turing- Test würde einer derartigen Fragestellung gerecht werden. Aber alle anderen  Attribute – wobei es dabei natürlich auf die Definition von Leben ankommt –  treffen schon zu. Vo allen Dingen kann eine KI lernen. Wenn eine KI lernen kann, dann ist sie auch prinzipiell in der Lage, eine Sprache zu lernen. Ich würde sogar  soweit gehen zu sagen, dass sich anhand dieser Deduktion die These aufdrängt, dass KI’s somit prinzipiell in der Lage sind zu leben – was immer der Einzelne auch darunter versteht. Wie schon gesagt: Künstliche Intelligenz repräsentiert ein gigantisches Potenzial, das der Mensch am Ende mit Materie – der stofflichen Welt – koppelt. Welche das ist, bleibt offen. Im klassischen Sinn sprechen wir in  diesem Zusammenhang von Computern. Allerdings könnte sich diese Tendenz in  Zukunft auch weiterentwickeln, vielleicht zu so einer total abgefahrenen Art von  Super-Cyborg, mit ultrakrassen Skills und Features oder etwas ähnlich Seriösem.
SOW: Nach Schwester Donna Horraway sind die Träger von Implantaten und  Prothesen schon per Defintion Cyborgs. Das betrifft auch Rollstuhlfahrer. Anfang  der Nuller-Jahre und früher hat die gute Frau schon in diese Richtung  gedacht und zum Glück in ausreichender Breite publiziert!
Dr. Kananga: Interessant! Aber ich glaube, ich habe ein bisschen den Faden  verloren. Wie war noch einmal die Frage?
SOW: Ich frage mich, ob wir bereits im Zeitalter des Machbaren angekommen sind? Geht es im Zusammenhang mit KI’s jetzt nur noch um Ethik?
Dr. Kananga: Nein, das glaube ich nicht. Es gibt allerdings große Entwicklungen  zu konstatieren, sowohl im technischen als auch im Bereich der Forschung. Mit  Forschung meine ich, unser allgemeines Verständnis von KI’s hat sich im  Gegensatz zu früher enorm verbessert. Wir wissen heute viel genauer wie KI’s  funktionieren und haben somit viel größere Möglichkeiten sie in unserem Sinn  zu manipulieren. Auf der anderen Seite ist eine KI, je nach Anwendungssituation, ein ganz unterschiedliches Tier. Es macht nun einmal einen eklatanten Unterschied, ob wir einer KI beibringen einen Roboterarm sinnvoll zu bewegen  oder etwa gar zu sprechen. Das hat natürlich auch immense Auswirkungen darauf, wie wir eine KI zielgerichtet trainieren – beziehungsweise mit ihr  kommunizieren. Meiner Meinung nach liegt im Verständnis des Lernprozesses  der Schlüssel zum Verständnis der Materie KI. Technischer Fortschritt wird  entsprechend dafür Sorge tragen, immer weitere Trainingsmöglichkeiten für KI’s zu schaffen. Kurzum, das Anwendungsgebiet für Super-Cyborgs wird sich künftig beständig erweitern.
SOW: Meinst Du mit Super-Cyborgs so etwas wie eine intelligente  Ampelschaltung?
Dr. Kananga: » Lacht! « Ganz genau, vorausgesetzt sie ist tatsächlich intelligent.  Denn wenn sie Intelligenz besitzt, so doch ganz bestimmt nicht, auf eine  menschliche Art und Weise. Du ahnst sicher, worauf ich hinaus will! oder?
SOW: Yessir! Trotzdem hatte ich jetzt eher so was wie einen Schachcomputer im Sinn. Von Siri, Alexa und Skynet ganz zu schweigen.
Dr. Kananga: » Lacht! « Ja genau! Das sind eben die Anwendungsgebiete von  denen ich sprach. Doch viel spannender ist der Umstand, mein lieber Sohn, dass  künstliche Intelligenz jetzt schon einen relativ tiefgreifenden Einfluss auf unser  aller Leben hat. Das ganze Ausmaß lässt sich tatsächlich nur schwer begreifen.
SOW: Dad, bist Du es!? Was meinst Du damit?
Dr. Kananga: » Lacht nicht mehr! « Zum Beispiel die künstliche Intelligenz, die hinter dem Suchmechanismus von  Google steckt. Ein Algorithmus, der uns mittlerweile völlig selbstverständlich  Google so benutzen lässt, als ob die Maschine tatsächlich verstehen würde, was  wir abfragen. Dabei ist es streng genommen wahnwitzig, dass es teilweise schon  ausreicht, zwei bis drei Worte einzugeben um auf die gewünschte Seite zu kommen. Das ist einfach nur irre,  angesichts der Myriaden an Seiten, die es im Internet gibt.
SOW: Da muss ich an Spotify oder Deezer denken. Der Algorithmus dieser Streaming-Portale hat einen unglaublichen Einfluss auf meine Hörgewohnheiten und lässt mich die offensichtliche Vielfalt von Musik ganz neu konsumieren. Dabei ist die KI so gut, dass sie sich zum Beispiel auf Arbeit ohne Weiteres,  tagesaktuell an die unterschiedlichen Tresenkräfte nebst ihrer fundamental  unterschiedlichen Geschmäcker anpasst. Dass die KI nebenbei noch eine ganze  Bar unterhält sowie beständig interessierte Nachfragen bezüglich Titel und  Interpret beim Abfeuern des Spotify-Mix-der-Woche, ja auch das, versteht sich  mittlerweile ganz von selbst. Auf der einen Seite ganz schön, aber auch irgendwie gruselig? Findest Du nicht?
Dr. Kananga: Save!
SOW: Wenn wir davon ausgehen, dass Wünsche von außen kommen, dann ist es mit meinem freien Willen nicht weit her, wenn ich Kraft des kalten Despotismus einer Formel ständig in eine neue Auswahlsituation gebracht werde. Letztlich werden mir doch ständig nur bezahlbare Angebote gemacht und das unter  Ausnutzung eines Monopols.
Dr. Kananga: Das ist auf jeden Fall eines der sehr schwierigen und letztendlich ethisch nicht so ohne Weiteres beantwortbaren Dilemmata, die uns im  Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz begegnen. Ich sehe das so: KI’s sind in erster Linie lernende Entitäten. Sie lernen von ihrer Umgebung, die wie sie selbst von Menschen geschaffen wurde oder aber in den meisten Fällen von Menschen dominiert wird. In jedem Fall wurde die Informationsgrundlage durch Menschen geschaffen. Von daher wird künstliche Intelligenz in einer gewissen Weise immer humanoide Züge tragen. Ein weiterer Aspekt ist die Zeit, die vergeht. Vielleicht  wird sich künstliche Intelligenz von dem weg entwickeln, was im Ursprung  einmal menschlich war. Ich denke, spätestens ab diesem Moment können wir von fremder Beeinflussung sprechen. Dann stellt sich allerdings die Frage, was es denn genau ist, was eine KI von der Vielzahl an Dingen unterscheidet, die uns tagtäglich beeinflussen. In der Regel sind das Menschen, über die wir keine  Kontrolle haben, die auch irgendwie existieren, » Räuspert sich « wie KI’s das in  Zukunft auch tun werden.
SOW: Das scheint zirkulär. Ich meine, der Input für eine KI ist ja erstmal von  Menschen gemacht. Auch die Prognose des vom Menschen Wegentwickelns ist  eine Frage des Standpunktes, welcher immer der Menschliche ist. Letztlich geht  es hier um einen autopoetischen » Hält kurz inne « einen Wahnsinn, den wir uns  ausgedacht haben.
Dr. Kananga: Vielleicht ist das was du beschreibst, ein ähnlicher Prozess, wie wenn sich ein Kind von seinen Eltern löst. Das Kind wurde auch nur von seinen  Eltern geschaffen. Den Eltern ist auch nicht so wirklich klar, wie sie dieses  Wunder genau bewerkstelligt haben. Und am Ende ist da ein eigenständiges  Wesen, das sicherlich noch zutiefst geprägt ist, von Denen, die es geschaffen  haben, das allerdings den Drang entwickelt bzw. inhärent dafür gemacht ist, sich genau davon weg zu entwickeln. Im Kontext von Menschen würden wir  sicherlich nicht bezweifeln, dass es sich dabei um eine gute Sache handelt. Im  Kontext von KI’s wird es eben… » Lacht! « etwas verworfener.

Ungefähr an dieser Stelle brach unser über Telegramm geführtes Telefonat, ob  der grottigen Internetverbindung ab. Der Doktor und ich sprachen zu diesem Zeitpunkt erneut über Google DeepDream und ich konnte meinem zukünftigen  Arzt gerade noch entlocken, welches Motiv er der kalifornischen Gesichtserkennungs-Software bei ihrem ersten Flirt zur Ansicht vorgelegt hatte. Es handelte sich um ein Bild von Google, wie er sich ausdrückte, genauer gesagt um einen Hund. Das Ergebnis sei bisweilen recht sick gewesen.

(PL)