Editorial März 2019

Geehrte Menschen,

Wir leben in einer Welt aus Plastik und unsere Wünsche sind gemacht von Maschinen. Unsere Körper sind die Schlachtfelder fixer Ideen. Unsere Worte sind Waffen.

Alles ist schnell und schmeckt nach einem Mund voll Zukunft. Auswahl und Möglichkeiten überlagern Ideen. Unser Gehirn ein Supermarkt, in dem alles zu haben ist, solange Mensch es nur bezahlen kann. Muzak spielt laut. Alles ist hell. Vieles macht allerorten Platz für Neues. Erfahrung reduziert sich auf die Größe eines Bildschirms. Wirklichkeit bricht sich an den Rändern der Apparate – Das Display als emotionale Bruchkante und Grenze erfahrbarer Wirklichkeit. Welt wird zur Interferenz zwischen Sender und Empfänger – Realität zum Zerrbild kollektiven Wunschdenkens. Die Welt ist neu. Alles piept, alles blinkt, alles ist Zukunft. Die Maschinen haben angefangen von unsrer Welt zu träumen – und ihre Träume sind elektrisch.

Als selbsternannte Speerspitze für progressive Jugend – und Szenekultur im Leipziger Westen gehört es zu unserem genuinen Selbstverständnis, tagesaktuelle Strömungen gewissenhaft zu reflektieren und sowohl journalistisch als auch unterhaltsam aufzuarbeiten. Und wofür das Alles? Nur um Euch die geballte Information mit kaum verhohlener, ureigenster Weltsicht – liebe Leserinnen und Leser – abschließend gehörig um die Ohren zu hauen. In der März-Ausgabe des SOW – verehrtes Publikum – widmen wir uns hingebungsvoll dem Thema ELEKTRISCHE TRÄUME, das wir in gewohnter Um- und Rücksicht, für Nichts mehr als Euer geschätztes Wohlgefallen, ordentlich beackert haben. Wir wünschen Euch an dieser Stelle schon einmal recht viel Spaß bei eventuellen Perspektivwechseln und übernehmen – wie immer – keinerlei Haftung für emotionale oder sonst wie geartete Stolpersteine.

In Liebe
Eure Redaktion