EDITORIAL

Liebe Lesegemeinde!

Wir möchten Euch in aller Form recht herzlich beglückwünschen. Wenn ihr dieses Heft in den Händen haltet, habt Ihr den programmierten Wahnsinn in Form von Weihnachten und Silvester zumindest physisch überlebt. Nun habt Ihr die Chance mit einer häppchen weise vorgenommenen Resozialisierung im Kiez annähernd zur gewohnten körperlichen Fitness, nebst hier und dort eingebüßter, psychischer Stabilität zurückzufinden.

Wir empfehlen zur weiteren Genesung sowie zur persönlichen
Sinnstiftung den Konsum lieb gewonnener Bekanntschaften in homöopathischen Dosen – zur Vorsicht natürlich nur unter
Aufsicht sowie dem Einfl uss von Alkohol im gefühlsneutralen Echoraum Kneipe. Glück auf!
Thematisch widmen wir uns diesmal dem Begriff Heimat. Wenn Ihr jetzt instinktartig einen Fluchtreflex verspüren solltet, möchten wir Euch hiermit beruhigen. Es ist nicht unsere Absicht, Euch mit pseudopolitischen Anwandlungen zu behelligen. Da sei Gott vor und die Redaktion! Es ist auch  erstmal gesund, sich einem hoffnungslos anachronistischen Diskurs zu verweigern, der wider Vernunft und Notwendigkeit
alle paar Meter wie Oskar aus der Mülltonne geschossen kommt. Kein fühlendes Wesen muss in 2019 über Leitkultur
sprechen und kein humanistisch gebildeter Mensch braucht einen Heimatminister. Allerdings wäre es schon lustig wenn sich lokal, anarchistischdezentrale Strukturen bilden würden,
jede mit ihrem eigenen Heimatminister, zum Beispiel Matthias Hascke (DIE PARTEI) als Heimatminister für Plagwitz-Lindenau und Frank Berger (Parteilos) als Heimatminister für Schleußig usw.
Doch Spaß beiseite, denn wir haben es getan. Wir haben uns die Köpfe zerbrochen und versucht herauszufinden, was uns
der Begriff Heimat bedeutet – und was der ganze pathetisch aufgeladene Mist eigentlich soll? Herausgekommen ist ein bisweilen alptraumhafter Spaziergang durchs ländliche Nirgendwo, verfasst und erlebt von Patrice Lipeb sowie allerlei Intimes und Subjektives zu den Städten Halle, Hamburg, Berlin und Leipzig aus der Feder von Herrn Timm Völker. Als Gastbeitrag gönnen wir uns diesmal ein Gedicht von John Sauter und » Fink über Heimat « lenkt unseren Blick auf das große Ganze.
Ganz nebenbei ist unser Heft wie immer vollgepackt mit brandheißen Informationen zu unseren Konzerten, Ausstellungen und sonstigen Terminen, die Ihr nicht verpassen sollt. » Über Politik redet man nicht « lautet der Titel des in jedem Fall lesenswerten Interviews mit der brasilianischen Künstlerin Barbara Telles Vieira, in dem sie über ihr ganz persönliches Verhältnis zu ihrer Heimat Brasilien bereitwillig Auskunft gibt. Die Künstlerin Marie- Charlotte Urena spricht über ihre Arbeit und Leidenschaft sowie über ihre Ausstellung ab 25.01.19 im SUBBOTNIK.