KUNST IM NBL – Jirka Pfahl

Teppich knüpfen, wirken, flechten, drucken?

Seit der Auseinandersetzung mit den Faltungen – zuerst auf ästhetischer Ebene – erstelle ich mittlerweile Faltungen mit Hilfe eines Java-Programmes (und in Zusammenarbeit mit Nick de Hoog vom Exzellenzcluster Logik der Uni Konstanz). Habe ich früher eine gestalterische Auseinandersetzung mit der Fläche verfolgt, untersuche ich nun die Fläche mit Hilfe von Algorithmen. Neben zeichnerischen Annäherungen beschaue ich zuerst die errechneten Ergebnisse, um sie dann händisch in die Form der Faltung zu übertragen. Dabei kann ich gänzlich gefällige von ungefälligen Flächendarstellungen voneinander abgrenzen, indem ich mir die Ergebnisse vom Rechner kompilieren lasse, auswähle und umsetze. Diese Faltungen nenne ich „Analoge Faltungen“. Weiter erarbeite ich gerade an der Gegenüberstellung von analog zu digital und suche gerade nach einer besten Form.

Ausgehend von diesem Formfindungsthema dreidimensionaler Faltungen von ursprünglich flächigen Körpern bin ich auf den Topos und Untersuchungsgegenstand des ebenso flächigen aber in sich mehrdimensionalen Teppichs gestoßen. Die Drucke hiervon sind die <Rugs>.
Zum Beten, im Alltag, vor der Couch, als Wandbehang und Schmuckelement, als Verweis kultureller Herkunft, Fußabtreter, Kältebrücke, Behausung oder rot gefärbt, als Zeichen gesellschaftlicher Superiorität, ist der Teppich Bestandteil globaler Kulturgeschichte.
Erst durch Frottage und seit diesem Jahr an der Mailänder-Maschine des Atelier carpe-plumbum nehme ich die Rückseiten von Teppichen als Druckstock. Die erhabene Form der Knoten, die verschieden dicken Fäden, bergen das Motiv des Teppichmusters in sich. Vor ein paar Jahren entdeckte ich diese Tatsache und verfeinerte das gefundene bildgebende Verfahren bis hin zu der maschinellen Umsetzung zur größten Schönheit.
Hier zeigen sich sowohl die Konstruktion (Webtechnik) als auch der besondere Reiz des Verborgenen. – Die Objektivierung des Musters durch Abdruck seiner nur vermeintlich schematischen Knoten und damit gleichzeitig auch eine neue leicht verzerrte Schwarz-Weiß-Ästhetik des sonst Offensichtlichen der Vorderseite des Teppichs selbst.

Mein Material beziehe ich dabei aus alten abgelegten Teppichen. Diese bekommen durch meine Arbeit ein Nachleben in der Kunst. Die neue Arbeit, welche im Dezember und Januar im Noch Besser Leben zu sehen ist, zeigt das Ab-Bild des im Salon des NBL liegenden Teppichs auf Leinwand.
Andere Teppiche findet man in der Galerie Laden für Nichts, Galerie Markus Ritter und der Frankfurter Galerie LachenmannArt. Frottagen dieser Serie stellte ich bereits in der GfZK, im Kunstraum ortloff, im Westpol, Galerie Christian Pixis, München und der Ausstellung „Hotel Moscow“ Moskau, aus. Ein Exemplar befindet sich in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Im Leipziger Lubok Verlag erschien im März 2018 das originalgrafische Buch „3 Teppiche“.

Jirka Pfahl im November 2018