Kunst im Subbotnik – Thomas Düntsch

Das Subbotnik möchte kunstschaffenden Menschen einen Raum bzw. eine Plattform bieten. Nicht so sehr, um sich selbst zu produzieren, sondern vielmehr, um Menschen mit verschiedenen Graden an Kunstinteresse und/oder Verständnis einen möglichst niederschwelligen Zugang zu menschlichen Kulturleistungen aus den Bereichen Kunst und Musik bieten. Und am 8. Dezember ist es schon wieder soweit. Eine neue feine Ausstellung lauert im Hinterzimmer des Subbotniks auf arglose Kneipenbesucher.

Diesmal geht es nach langer Abstinenz von der Materie mal wieder um Fotografie. Schon wieder so eine Sache, von der ich nicht den geringsten Schimmer habe. 16:9, 0815, Phi aka der goldene Schnitt und das alles habe ich sowieso auch nur ansatzweise verstanden. Wenigstens sind die ausgestellten Arbeiten ordentlich abstrakt. Das beruhigt mich irgendwie. Um den Nebel meines Unverständnisses zu lichten, das meine hohe Stirn dekorativ bekränzt, spreche ich einfach selbst dem mit Fotographen Thomas Düntsch über das Wieso, Weshalb, Warum und vor allem Was seiner Kunst. << So ein Magazin füllt sich ja nicht von alleine >> Darüber hinaus bin ich als elitäre Kunstschwuchtel mit Kulturwichserschal in meinem rosa Elfenbeinturm standesgemäß über das Buch „Im Schwarm. Ansichten des Digitalen“ von BYUNG- CHUL HAN gestolpert, das ich dem Interview in Auszügen gegenüberstellen möchte.
<< Roland Barthes beschreibt die Fotografie als „Emanation des Referenten „Die Repräsentation ist ihr Wesen. Von einem realen Objekt, das einmal da war, sind Strahlen ausgegangen, die den Film effizieren. Die Fotografie konserviert die quasi materiellen Spuren des realen Referenten „immer im Gefolge“. Die Fotografie und ihr Referent sind zur Unbeweglichkeit verurteilt, die der Liebe oder dem Tod eignet, inmitten der bewegten Welt. Die Fotografie und ihr Referent sind „aneinander gebunden“, Glied an Glied, wie der Verurteilte, den man bei bestimmten Arten der Folter an einen Leichnam kettetet oder wie jene Fischpaare, die nur gemeinsam schwimmen, als wären sie in einem ewigen Geschlechtsakt vereint. >>

Jenny: Als ich deine Fotos zum ersten Mal gesehen habe, die ich nach wie vor beeindruckend finde, habe ich mich gefragt: Wow, wie krass ist das denn: Wie erschafft Mensch solche surrealen Landschaften mit analoger Fototechnik?
Thomas Düntsch: Ich fotografiere digital.
Gisela: Aha. Und du bearbeitest deine Arbeiten nach?
Thomas Düntsch: Bloß a bissel die Kontraste. Weil die Kamera nicht genügend Kontraste hat.
<<< Kurze Gesprächspause >>>
Jenny: Ah okay. Möchtest du etwas zu deinen Arbeiten erzählen? Wie kamst du eigentlich zur Fotografie?
Thomas Düntsch: Ich habe jahrelang Fotozeitschriften gelesen. Da habe ich mir Tipps geben lassen bzw. mir Kenntnisse angeeignet, was man alles machen kann. Auf manche Tricks bin ich auch eher durch Zufall gekommen. Ich habe zum Beispiel längere Belichtungszeiten eingestellt und mit ’nem Graufilter eben die Kamera bloß geschwenkt. Dabei sind halt solche Effekte bei rausgekommen.
Giesela: Stark!
Thomas Düntsch: Das meiste habe ich tatsächlich aus Zeitschriften gelernt.
Jenny: Haken wir da mal ein. Wann war das ungefähr?
Thomas Düntsch: Vor vier, fünf Jahren.
Wodka Soda: Was waren das eigentlich für Fotozeitschriften?
Thomas Düntsch: Color Foto heißt die. Ich habe lange gesucht nach einer Zeitschrift, wo das Entscheidende drin ist und bin dann auf die Zeitschrift Color gekommen .
Weizen Kristall: Was ist das Entscheidende?
Thomas Düntsch: Na, da ist auch noch eine CD dabei.

<< Die Wahrheit der Fotografie besteht Barthes zufolge darin, dass sie schicksalhaft untrennbar an den Referenten, an das reale Bezugsobjekt gebunden ist, dass sie die Emanation des Referenten darstellt. Die Liebe und Treue zu ihm zeichnet sie aus. Die Fotografie ist nicht der Raum der Manipulation, sondern der Wahrheit. Barthes spricht vom „Eigensinn des Referenten“. Die helle Kammer kreist um eine unsichtbare Fotografie seiner Mutter im Wintergarten. Die Mutter ist der Referent schlechthin, dem seine Trauer und Trauerarbeit gilt. Die Mutter ist die Hüterin der Wahrheit. >>

Schweden Bitter: Du bist Autodidakt?
Thomas Düntsch: Genau.
Wodka Cola: Hast du sowas schon mal gemacht? Bist du ein Mensch, der sich selbst Sachen beibringt?
Thomas Düntsch: Eigentlich schon. Ich denke mit der Kamera eben ein bisschen weiter und schau, was man halt so machen könnte. Länger belichten, verschiedene Filter und sowas. Ich nutze da die Kamera richtig aus. Gehe ins Extreme. Alles! So eine Spiegelreflexkamera ist eigentlich unendlich.
Hamburg Mannheimer: Hmm.
Thomas Düntsch: Hinter alles bin ich bis jetzt auch noch nicht gekommen.
<<< Das Telefon klingelt. Dixieland Jingle >>>
Sterntaler: Kannst ruhig rangehen.
Thomas Düntsch: Hallo Opa…. nen Paket ja… machen mer nachher hoch…. guddi….gut tschüs. Mein Liebling sacht er immer zu mir, der Opa.
Death by Cola: Sehr gut!
Thomas Düntsch: Momentan experimentiere ich zum Beispiel mit verschiedenen Filtern. Cokin Filter heißen die. Das sind so kleine Plastefilter, die steckste so hintereinander auf die Kamera drauf und dann haste so ganz neue Effekte.
Dr. Motte: Wie heißen die Filter nochmal?
Thomas Düntsch: Cokin Verlaufsfilter.
Magda Lena: Wie schreibt sich das?
Thomas Düntsch: C-O-K-I-N. Die kommen aus Frankreich. Wie gesagt, da kannst du verschiedene Graufilter hintereinander legen.
Bierkutscher vom Getränke Albrecht: So, du darfst hier gern unterschreiben.
Mädchen für alles: Sehr gut! Danke!
Bierkutscher vom Getränke Albrecht: Bis nächste Woche.
Jenny: Bleiben Sie unbeschadet.
Thomas Düntsch: Na und dann bin ich gerade dabei, die verschiedenen Folien auszunutzen, wie man das beste und schönste Foto kriegen kann. Allerdings bin ich jetzt auch der Mensch, der jetzt nicht allzu viel am Computer macht. Nurn bissel die Kontraste.

<< Das Bild von René Magritte „Ceci n ’ est pas une pipe“ hat Barthes offenbar vor Augen, wenn er schreibt: „Von Natur aus hat die Fotografie etwas Tautologisches: eine Pfeife ist hier stets eine Pfeife„ Warum beansprucht er so emphatisch die Wahrheit für die Fotografie? Ahnt er die kommende Zeit des Digitalen, in der die endgültige Ablösung der Repräsentation vom realen Referenten stattfindet? >>

Tai-Ginseng: Du bist Leipziger?
Thomas Düntsch: Ja, ich bin Leipziger. Geboren in Leipzig.
Maria Kron: Biste schonmal aus Leipzig raus?
Thomas Düntsch: Nee. Bin vor zwanzig Jahren mal in Cuba gewesen.
Kim Il Sun: Würdest Du sagen Fotografie ist dein Hobby?
Thomas Düntsch: Ja, reines Hobby, ja.
Beate Uhse: Was machst Du hauptberuflich?
Thomas Düntsch: Ich bin zur Zeit arbeitslos. Fotografieren tue ich nur in meiner Freizeit. Es ist vielseitig wie gesagt. Und macht Spaß.
Eva Braun: Und du hast vier Themenbereiche die du ausstellst. Möchtest Du mir zu denen etwas erzählen?
Thomas Düntsch: Genau. Das sind jetzt reine Phantasieaufnahmen, bis auf ein Stück, das habe ich aus ’ner Fotozeitschrift gelernt. Das gebe ich zu, das habe ich quasi ein bisschen nachgeahmt – diese Streifen da. Der Rest sind Experimente von mir, zum Beispiel Doppelbelichtungen. Und dann gibt es wieder die Streifen und auch das Gekringle. Da habe ich auch einfach rumprobiert. << Kunstpause >> Ja genau. Reine experimentelle Fotografie oder so eine Art Fantasy-Fotografie. Ich bin da recht vielseitig, sagen wir mal so. Ich habe da verschiedene Themen. Ich fotografiere von der Klingel aufwärts bis zur Treppe. Und alles mögliche fotografiere ich da.
Frauke Petry: Wie kommst Du zu deinen Motiven. Gehst Du raus und es springt dich was an oder sagt Du Dir: heute nur Klingeln oder heute nur Treppen?
Thomas Düntsch: Also ich bin viel unterwegs am Wochenende, in Wurzen oder so. Und da gehe ich gerne ins Detail, etwas zu fotografieren. Wie gesagt: Ich hatte jetzt auch in Altenburg ne Ausstellung in ’nem Krankenhaus. Und da habe ich mir Altenburg detailliert angeschaut und fotografiert. Skatkarten die auf dem Boden lagen oder Reflexionen in ‘ner Fensterscheibe. Für mich ist das was ganz normales, aber für die! Die waren so fasziniert von meinen Bildern.
Heidi Klum: Entstehen die verfremdeten Bilder die Du ausstellst im Nachhinein oder entstehen sie direkt in deiner Kamera?
Thomas Düntsch: Die entstehen direkt in meiner Kamera. Ich gebe da ,wie gesagt, nur etwas Kontrast dazu.
Fernet Branca: Interessant. Wie kommst Du dazu abstrakt zu fotografieren? warum müssen die Sachen anders aussehen, als sie im Alltag aussehen?
Thomas Düntsch: Ich muss dazu sagen: Vor zehn zwanzig Jahren habe ich noch normal fotografiert. Aber mir ist das einfach zu langweilig normale Fotos zu machen und dann ging praktisch die Fantasie mit mir durch.
Patzy Looove: Gibt es noch irgendwas, wo du meinst: Das willst Du mir erzählen?
<<< Kurze Gesprächspause >>>
Thomas Düntsch: Also mit den Fotos die ich jetzt hier ausstelle. Ich sage mal: Jeder Künstler ist ein bisschen verrückt. Ich meine an sich. Viele leiden auch an Depressionen und alles und versuchen sich dann so wiederzufinden. Und ich bin auch manchmal depressiv und ich schnappe mir dann meine Kamera und gehe auf pirsch sozusagen, und entwickle meine Gedanken zu der Fotografie. Die schreibe ich mir auch immer auf. Ich habe das so einen großen Block und eine Riesenwand wo ich meine Ideen dann immer drauf hänge. Das fällt mir dann Nachts um Zehne, Elfe ein. Stehe ich nochmal auf, mache oder schreibe ’nen Zettel und hefte ihn dran. Oder beim Mittagessen wird immer geschimpt: Wou willscht än Dou hieän? Ich sache: Moment. Notiz!
<<< Vorhang >>>

Gott ich würde euch am liebsten alles hinschreiben, was mir der gute Mann noch so erzählt hat. Über die schwarzen Tage, den schwarzen Hund, die ganze Scheisse und wie er versucht damit klarzukommen und wie ihm seinen Fotos dabei helfen. Aber was sind schon Worte? Kommt einfach zu seiner Vernissage und seht euch den Mann an.

Patzy Loove

VERNISSAGE AUSSTELLUNG THOMAS DÜNTSCH FOTOGRAFIE SAMSTAG 08.DEZEMBER 20:00 UHR SUBBOTNIK VERNISSAGE AUSSTELLUNG THOMAS DÜNTSCH FOTOGRAFIE SAMSTAG 08.DEZEMBER 20:00 UHR SUBBOTNIK VERNISSAGE AUSSTELLUNG THOMAS DÜNTSCH FOTOGRAFIE SAMSTAG 08.DEZEMBER 20:00 UHR SUBBOTNIK VERNISSAGE AUSSTELLUNG THOMAS DÜNTSCH FOTOGRAFIE SAMSTAG 08.DEZEMBER 20:00 UHR SUBBOTNIK VERNISSAGE