Annehmen und gehört werden – ein Gespräch über Gewaltfreie Kommunikation

Manchmal fällt es schwer anständig zu bleiben. Der Blick in die Zeitung, die Begegnung mit dem SUV an der Kreuzung oder ein aggressiver Gesprächsfetzen am Tresen können schnell dazu führen, die Fassung zu verlieren. Wie es trotzdem klappen könnte, dass wir miteinander klar kommen und uns selbst dabei vielleicht sogar glücklicher machen, davon erzählt Joanna Quehenberger, Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation.

Standort West (SW): Hallo Joanna, könntest du uns und den Lesern kurz erklären, was Gewaltfreie Kommunikation bedeutet?

Joanna Quehenberger (JQ): Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist ein Kommunikationsprozess, der einer geistigen und spirituellen Haltung zugrunde liegt. Es wird davon ausgegangen, dass jedem Menschen die Fähigkeit der Empathie angeboren ist. Durch unsere kulturelle Prägung verkümmert diese Fähigkeit in vielen Fällen oder wird verlernt. Dr. Marshall B. Rosenberg, Gründer der GFK, entwickelte sie, indem er studierte, welche Denk- und Verhaltensmuster Gewalt fördern und welche Empathie ermöglichen. Abgeleitet von diesen Studien entstand ein praktisches Kommunikations-Handwerkzeug, das nur durch die Berücksichtigung der dazugehörigen geistigen und spirituellen Haltung seine beabsichtigte Wirkung zeigt.

SW: Was sind deine Aufgaben als Trainerin?

JQ: Ich vermittle den Coaching-TeilnehmerInnen, wie sie ihr eigenes Innenleben und ihre Anliegen so ausdrücken können, dass sich die Chance erhöht, dass ihr Gegenüber mit Einfühlsamkeit oder einem offenen Herz auf sie reagiert. Ein weiterer, wichtiger Bestandteil meiner Trainingsangebote ist der lebensbejahende Umgang mit Trauer, da unsere Bedürfnisse oder unsere dafür präferierten Strategien nicht immer in Erfüllung gehen können. Der einfühlsame und wertschätzende Kontakt mit uns selbst steht ebenso im Zentrum wie der zwischenmenschliche Kontakt. Wir üben den Kommunikationsprozess in dynamischen, längeren Gesprächen und Rollenspielen. Für mich funktioniert dieser Prozess nur, wenn ich bereit bin selbst zu zeigen, was in mir los ist. Ich versuche daher mich in meiner Anwendung der GFK und meiner Rolle als Trainerin in meinen Gefühlen und Bedürfnissen selbst offen und verletzlich zu zeigen.

SW: Ein wichtiger Grundstein der GFK ist, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen, wahrzunehmen und zu kommunizieren. Unsere Gesellschaft bietet an, nahezu jedes Bedürfnis durch Konsum befriedigen zu können. Glaubst du, dass die Menschen dadurch verlernen, ihre tiefer liegenden, oft schwerer zu artikulierenden Bedürfnisse wahrzunehmen?

JQ: Ich denke unser gesellschaftlicher Alltag bietet selten Möglichkeiten an, in denen sich Menschen ihr Bedürfnis nach Empathie in einer vertrauensvollen und geschützten Umgebung kostengünstig erfüllen können. In Familien und Partnerschaften herrschen oft zu eingefahrene Dynamiken, als dass sich die Beteiligten diese besondere Qualität der Aufmerksamkeit gegenseitig regelmäßig anbieten könnten oder wollten. Ich glaube sogar viele Menschen sterben, ohne diese Aufmerksamkeit jemals ein einziges Mal in ihrem Leben erlebt zu haben. Doch so schädlich eine Handlung auch für uns sein mag, der Konsum jedes einzelnen Objekts erfüllt auch ein Bedürfnis, sonst würden wir es nicht kaufen oder zu uns nehmen. Wenn wir nicht mehr glauben, wir brauchen noch mehr Essen, ein neues Auto, neue Schuhe etc., sondern es uns gelingt, den Konsum als Strategie zu betrachten, ein wichtiges Bedürfnis zu erfüllen, dann erlangen wir Wahlfreiheit. Dann kann ich nach neuen Wegen suchen, wie ich das darunterliegende Bedürfnis erfüllen kann und Strategien finden, die gleichzeitig auch meinen Wert und mein Bedürfnis nach Selbstrespekt, Gesundheit oder einem ökologischen Lebensstil erfüllen. Welchen übermäßigen Konsum auch immer Menschen wählen mögen, wenn nicht bewusst wird, was gefühlt und gebraucht wird, ist es schwer die darunter liegenden Bedürfnisse selbst zu nähren oder von anderen erfüllen zu lassen. Man versucht dann immer auf eine andere Weise “satt” zu werden, die leider immer auch ein Gefühl von innerer Leere hinterlässt.

SW: Könnte dies eine Ursache für viele aktuelle Konflikte sein?

JQ: Wir sind uns meistens unserer Lieblings-Strategien, unserer Präferenzen und Wünsche bewusst, leider nur selten den tieferliegenden Bedürfnissen. Und das ist kein individuelles Manko sondern eine kulturelle Prägung, die Marshall Rosenberg darauf zurückführt, dass wir in einer Kultur mit klaren Dominanzstrukturen und einer Dominanzsprache groß geworden sind. Das sind Strukturen, in denen ein paar wenige davon profitieren, dass viele sich von ihrer Lebenskraft, ihrer Phantasie und ihrem liebevollen Umgang mit sich selbst und anderen, abgetrennt fühlen. Das erreicht man am besten dadurch, in dem man Frauen und Männern auf eine unterschiedliche Weise suggeriert, was sich nicht gehört. Die wenigsten von uns erleben regelmäßig eine Rückversicherung, dass unsere Gefühle und Bedürfnisse wirklich zählen und erfahren, dass darauf einfühlsam eingegangen wird. Dadurch entscheiden sich viele für die Strategie, emotionale oder psychische Gewalt in subtiler oder direkter Form anzuwenden, um das zu bekommen, was sie wollen. Die gute Nachricht ist, dass es unabhängig davon, ob wir diese Prägungen erlebt haben oder nicht, möglich ist, friedliche und einfühlsame Strategien für unsere Bedürfnisse zu finden. Ich habe schon unzählige Male erlebt, wie der GFK-Prozess dazu dienen konnte, dass Menschen nichts lieber tun wollen, als einander aus vollem Herzen zu geben, weil sie sich durch die erlebte Fähigkeit dieser Qualität der Aufmerksamkeit innerlich berühren konnten, obwohl sie zum Teil jahrelang nicht miteinander gesprochen haben.

SW: Wie kann ich lernen meine Bedürfnisse zu erkennen?

JQ: Unsere Gefühle sind eigens dafür gemacht auf erfüllte oder unerfüllte Bedürfnisse hinzuweisen. Es fasziniert mich immer wieder, wenn ich mir das vorstelle. Früher kam ich mir oft traktiert von meinen Gefühlen vor. Nun weiß ich, sie möchten mir dienen. So entsetzlich heftig und unangenehm sie sich auch melden mögen. Je mehr wir uns mit ihnen verbinden und ihre Nachrichten verstehen, desto milder und sanfter werden die Gefühle in ihren Äußerungen. Uns fehlt meistens der Wortschatz, deshalb ist es sehr sinnvoll in der Anfangszeit, in der man GFK lernen möchte, Gefühls- und Bedürfnislisten zur Hand zu haben. Bei einem emotionalen Auslöser kann man die Listen langsam durchgehen und bewusst spüren, bei welchen Begriffen man körperlich in Resonanz geht. Bei einigen der Begriffe atmet man plötzlich impulsartig auf, seufzt oder verharrt. Manchmal steigen auch Tränen in die Augen oder ein innerer, weiter Raum tut sich auf. Oder man fühlt gar keine Resonanz und nur Leere. Auch das ist ein Gefühl, das auf ein Bedürfnis hinweist. Wenn die Intensität der Gefühle überwältigend ist, kann es sehr unterstützend sein, jemanden mit den geeigneten Fähigkeiten aufzusuchen, die/der bei dieser Klärung hilft. In der GFK wird das “Empathie-Sitzung” genannt. Diese Person ist dann in der Lage zuzuhören, ohne mit Interpretationen, Ratschlägen, Erzählungen über sich den Ausdruck des Gefühls zu unterbrechen und hilft dabei die unterliegenden Bedürfnisse zu klären. Aktivitäten, die aus einer inneren Klarheit und einem genährten Bedürfnis nach Empathie entstehen sind meistens friedlicher, effizienter, nachhaltiger und kooperativer und auch anderen gegenüber empathischer, weil wir nicht mehr aus einer emotionalen Not oder einem emotionalem Muster handeln müssen.

SW: Das Thema dieser Ausgabe ist „Gespür für Anstand“. Können wir uns auf ein Gespür bzw. Intuition verlassen oder sollte „Anstand“ deiner Meinung nach auf einem festgelegten Regelwerk und weniger auf einem diffusen Begriff wie „Gespür“ basieren?

JQ: Die GFK unterscheidet zwischen Gefühlen und Interpretations- bzw. Pseudogefühlen. Oft sagen wir a) “Ich habe das Gefühl, dass mit der/dem etwas nicht stimmt” oder b) “ich fühle mich ignoriert, vernachlässigt, ungerecht behandelt, klein gemacht etc.” Punkt a) ist kein Gefühl sondern eine Bewertung und Punkt b) sind Interpretationsgefühle, die eine Interpretation der Handlung des Gegenübers beinhalten. Dass man das nie komplett aus seinem Sprachgebrauch streichen wird ist klar und man braucht auch keine Sprachkosmetik zu betreiben. In der GFK geht es darum, eine Sensibilität dafür zu trainieren, was Verbindung und Kontakt fördert und was ihn trennt. Wenn ich sage “Ich werde ignoriert”, ist darunter ein anderes Gefühl. Ich klage mit dieser Äußerung bereits eine andere Person an, die sich vermutlich, wenn ich ihr das sage, verteidigen möchte und meine Anliegen dadurch nicht mehr hören kann. Das Gefühl unter “ich werde ignoriert” könnte z.B. sein: ängstlich, mutlos, besorgt, verwirrt, verletzt oder unruhig. Hier bleibe ich bei mir in meiner Sprache und erhöhe damit die Chance verstanden zu werden. Die Unterscheidung zwischen Gefühl und Interpretationsgefühl gehört zu einer der wichtigsten Schlüsselunterscheidungen in der GFK.

Ich finde es hilfreich, sich auf das eigene Gespür und die eigene Intuition zu verlassen und gleichzeitig nicht sofort die Geschichten zu glauben, die sich in meinem Kopf abspielen. Auf was ich vertraue, ist, was ich sehe, höre, rieche und fühle und das, was ich brauche. In einem Konfliktgespräch, empfehle ich Interpretationen und Schuldzuweisungen wegzulassen.

Regelwerke wiederum lassen sich als Strategien betrachten, um die Bedürfnisse eines Individuums oder eines Kollektivs zu erfüllen. Ein festgelegtes Regelwerk kann zum Beispiel Bedürfnisse nach Orientierung, Schutz, Ordnung, Sicherheit, Gerechtigkeit erfüllen. Es vermittelt auch einen Konsens darüber, wie wir uns in unserer Kultur gegenseitig einen Sinn für Anstand, taktvolles Miteinander, Respekt und Würde erfüllen. Z.B. beim Reden in die Augen schauen, zum Abschied Hände schütteln, Begrüßen und Verabschieden etc. Prinzipiell stellt sich aber bei Regelwerken immer die Frage, wer sie bestimmt und wessen Bedürfnisse sie erfüllen und wessen nicht. Das hat mit Privilegien, Macht und Rang zu tun. Manche Menschen erfahren sich durch ein Regelwerk aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, ihrer Sexualität etc. besser in ihren Interessen und Bedürfnissen vertreten als andere. Wenn jemand das Regelwerk nicht befolgen möchte, sind wir mitten in einem Konflikt: Wird mit Bestrafung auf den sogenannten “Täter” geantwortet? Oder wird jemand da sein, der neugierig ist, welches Bedürfnis die Person davon abhielt, die Regel gerne und einfach zu befolgen? Ich bin nicht immer bereit diese Neugier aufzubringen. Zum Beispiel, wenn ich in einem Club von einem Mann “komisch angemacht” werde, bin ich nicht bereit neugierig darauf zu sein, was ihn davon abhielt mir mein Bedürfnis nach Achtsamkeit und Würde zu erfüllen. Ich hoffe dann, dass andere in der Nähe sind, die bereit sind, sich mit seinen universellen Bedürfnissen zu verbinden. In dem Moment raste ich selbst oft aus und habe sehr gewaltvolle Phantasien, die ich dann auch zulasse, da ich mir nicht Gewalt antun will indem ich mir sage: „ich muss gewaltfrei sein“. Ich bin nicht immer bereit Empathie zu geben, vor allem in Situationen in denen ich selbst Empathie brauche. Wenn Vereinbarungen in Form von Regeln geschaffen werden, die Bedürfnisse aller, unabhängig von ihren Privilegien, erfüllen können, stärkt das ein Vertrauen, dass die Regel auch sinnvoll für mich ist und ich werde sie gerne erfüllen, da ich damit keine Unterwerfung oder Unterdrückung meiner Bedürfnisse verbinden muss.

SW: Wirst du oft mit der Frage konfrontiert, dass GFK wenig nützt, wenn das Gegenüber nicht zugänglich für Worte ist?

JQ: Ich denke, die Frage weist auf ein Phänomen hin: Jemand ist nicht mehr mit Worten zu erreichen. Das passiert in verschiedenen Situationen. Ein Kind hört nicht auf unsere Belehrung und rennt auf die befahrene Straße, wir ziehen es mit körperlichen Einsatz zurück, um es zu schützen. Das ist die sogenannte schützende Anwendung von Macht. In einem anderen Kontext erreiche ich eine Person eventuell nicht mit meinen Worten, weil sie eine andere Sprache spricht oder aus einem anderen sozialen Umfeld stammt als ich und daher mit einem anderen Vokabular oder einer anderen Gestik, Mimik und Artikulation vertraut ist und meine Art der Kommunikation befremdlich auf sie wirkt. Oder weil Worte zu dem emotionalen, inneren Ort, an dem sich die Person gerade befindet, nicht durchdringen können.
Wenn ich mich daran erinnere, dass es sich bei der GFK vordergründig um eine Haltung handelt, kann ich diese Haltung auch in Stille praktizieren und mich entscheiden damit anwesend sein, wenn jemand tobt, schreit, weint oder gefühlt “endlos” schweigt. Wenn es mir stimmig vorkommt kann ich auch mit einer körperlichen Berührung oder Umarmung meine Anteilnahme zeigen. Meistens frage ich dazu vorher um Erlaubnis. Ich will dann sicher gehen, dass es nicht nur mein Impuls ist, sondern auch das Bedürfnis der Person, der ich zuhöre, erfüllt.

Jede Person wird mit der Zeit spüren, ob wir durch unsere Anteilnahme versuchen etwas anderes, Verborgenes zu erreichen oder ob wir deshalb da sind, um sie/ihn so anzunehmen wie sie/er gerade da ist und ob uns etwas an ihren/seinen Gefühlen und Bedürfnissen liegt. Es ist sehr wichtig zu wissen, dass die GFK auch dazu verwendet werden kann, Menschen zu manipulieren. Fake-Empathie, ein nett aufgesetztes, wohlwollendes Äußeres, das eine abwertende Haltung zu verbergen versucht. So zu tun als ob, kennen wir alle und das kenne ich auch leider von mir selbst und meiner Praxis. Das ist nicht schlimm, es ist einfach nur wichtig, ehrlich mitzuteilen, wenn es passiert und einem der Anwesenden auffällt.

SW: Viele Teile der Gesellschaft werfen Politikerinnen und Politikern vor den „Kontakt zur Basis“ verloren zu haben. Könntest du dir vorstellen, dass ein Kurs in GFK ein richtiger Schritt wäre, den Kontakt wieder herzustellen?

JQ: Restorative Justice bzw. Restorative Circles entwickelt von Dominic Barter, basierend auf der GFK, ist ein Modell, dass dazu genutzt wird, Menschen aus verschiedenen sozialen Hintergründen zusammenzubringen, die einander empathisch hören. Es geht dabei oft um eine “Opfer und Täter” -Mediation, weswegen diese Arbeit auch in Gefängnissen in den USA und Südamerika bereits relativ verbreitet ist. Ich halte das für eine besonders geeignete Chance, die Lebensrealität von Menschen eines anderen sozialen Milieus wirklich einfühlsam nachvollziehen zu können und auch die eigene Realität sichtbar zu machen. Wäre es nur in eine Richtung, würde wieder eine Hierarchie entstehen, da sich nur eine Seite emotional öffnet. In diesem Rahmen sind die Bedürfnisse aller Anwesenden gleich wichtig, jede/r wird so lange gehört bis sie/er sich komplett verstanden fühlt. Die Rolle des Mediators/ der Mediatorin ist darin folgende: sie/er hört Gefühle und Bedürfnisse heraus, unabhängig davon wie eine Person sich artikuliert. Manche Menschen haben gelernt sich hauptsächlich über die Abwertung und die Verurteilung anderer emotional zu artikulieren, da wäre es zwecklos zu erwarten, sie mögen sich nun auf Anhieb der “Regel unterwerfen” und nur noch in Gefühlen und Bedürfnissen kommunizieren. Über diese sprachlichen Fähigkeiten zu verfügen ist ein Privileg, das nicht jeder Mensch hat und die Teilnahme an solchen Kreisen soll Menschen nicht ausschließen, die dieses Privileg nicht teilen. Ich denke, dass es PolitikerInnen aber auch andere Menschen in Führungspositionen helfen kann, mit anderen Lebensrealitäten mehr in Bezug zu kommen. Aber auch Menschen, die gewohnt sind “zu machen was man ihnen sagt” kann das erlebbar machen, dass Menschen mit viel geistigem, sozialem und ökonomischem Kapital genau die gleichen Gefühle und Bedürfnisse haben wie sie.

SW: In der „post-faktischen“ Zeit, in der wir leben sollen, legitimieren Menschen ihr Handeln nicht mehr faktenbasiert sondern durch emotionale Botschaften. Es sind meist negative Emotionen, wie Angst oder Abscheu und Neid, die von politischen Gruppierungen angetriggert werden, um ihre Ideen durchzusetzen. Könnte GFK und vor allem der Aspekt, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, den Menschen helfen, dies zu erkennen und ein eigenes Gespür für Anstand zurück zu gewinnen?

JQ: Hier spielt Erziehung eine große Rolle. Die gängigste Art der Erziehung schult Kinder und Jugendliche nicht in einem empathischen Umgang mit ihren eigenen Emotionen und denen der anderen. Sicherheit findet man als Mensch darin, wenn man erlebt, dass man in seiner Ganzheit liebenswert ist. In Angst, Ärger, Begeisterung und Freude etc. angenommen und gehört wird. Wenn man verschiedene Emotionen als Kind nicht “haben durfte” oder Bedürfnisse nicht sein durften und das eigene Innenleben nicht gespiegelt wurde, kann es sich verdammt einsam und verwirrend anfühlen auf das eigene Gefühlsleben zu vertrauen. Für mich ist es nachvollziehbar, dass viele Menschen beschließen “das da drinnen” alles abzuschalten, weil es ja sowieso keinen Sinn zu machen scheint, und sie lieber ihre Verantwortung an eine charismatische Person außerhalb von sich geben, die ihnen die Sicherheit suggeriert, die sie innerlich durch diesen Mangel an empathischen Kontakt nicht bilden konnten. Ich kann es nachvollziehen und gleichzeitig besorgt es mich. Ich möchte in einer Welt leben, in der Kinder und Menschen die nötige Unterstützung erhalten, ihre seelischen sowie ihre körperlichen Bedürfnisse zu erfüllen. Eine Welt, in der wir uns darin gegenseitig ermutigen, unsere volle Verantwortung zu übernehmen. In der wir miteinander lernen, persönliche Macht nicht abzugeben, sondern sie bewusst anzuwenden, um ein Leben in Einklang mit den eigenen tiefsten Werten zu schaffen.

Wer mehr zum Thema Gewaltfreie Kommunikation erfahren oder an einem Kurs teilnehmen möchte kann sich auf der Homepage von Joanna alle nötigen Infos einholen: www.joannaquehenberger.com

Freitag, 09.11. 20:00 Uhr

Vortrag und Konzert – Joanna Quehenberger – Sensitive Artist Success + Adelita Escapes

Joanna Quehenberger ist die Gründerin des Coachingprogramms SENSITIVE ARTIST SUCCESS, das sensiblen Künstlerinnen Selbstfürsorge und einen starken Umgang mit Geld vermittelt. Selbst hochsensibel und als ausgebildete, preisgekrönte Musikproduzentin weiß Joanna wovon sie spricht. Am 9. November um 20 Uhr hält sie dazu einen Vortrag und spielt als Adelita Escapes anschließend ein Konzert.

www.joannaquehenberger.com
www.adelitaescapes.com