Soundcheck-Philosophie: „Politisch#Privat“ usw.?

Standort West: Ihr als Verein Expedition Philosophie e.V. betreibt den Soundcheck-Philosophie-Salon jetzt seit zwei Jahren. Die Themen der Salon-Abende waren vielfältig: „Gott“, „Identität“, „Die beste aller möglichen Welten“, „Philosophie und Musik“, „Philosophie und Wahnsinn“, „Ich und die Anderen“. Mit den beiden bevorstehenden Veranstaltungen am 11. Oktober bzw. 8. November widmet sich der Salon demnächst explizit politischen Fragen: der nach dem Verhältnis von Politischem und Privatem angesichts Facebook und Twitter, und der nach dem Verhältnis von Demokratie und Revolution. Was treibt Euch dabei an?
Rainer Totzke (Expedition Philosophie e.V.): Die Welt ist politisiert. Wir alle finden uns zunehmend in politische Diskussionen verstrickt. Und wir alle versuchen uns dabei zu orientieren, denn die Dinge scheinen unübersichtlicher als früher. Jedenfalls haben viele von uns das Gefühl, dass nur Parolen auszutauschen irgendwie unbefriedigend ist. Wir haben den Soundcheck-Philosophie- Salon ja von Anfang an als öffentlichen Ort konzipiert, wo man jenseits von Parolen und Gemeinplätzen gemeinsam kreativ ins Denken kommen kann und dabei durchaus auch Impulse für die eigene Orientierung bekommt. Das allein hat ja schon immer einen politischen Aspekt. Mit den kommenden Veranstaltungen wollen wir nun auf den Bedarf an kreativem Austausch über explizit politische Grundsatz-Fragen reagieren.
Die Salon-Abende im NBL sind dabei nur der Auftakt. Für Mai 2019 planen wir als Verein in Kooperation mit dem LOFFT ein ganzes [soundcheck philosophie]-Festival zu einem akut virulenten politischen Thema: „Am Nerv der Demokratie“.

Standort West: Kommen wir konkret auf das Thema des nächsten Salons am 11. Oktober zu sprechen: „Politisch#Privat“. – Worum geht es da genau?
R.T.: Gemeinsam mit der Hamburger Philosophin und Performerin Sonja Schierbaum und dem Hamburger Musiker Sascha Lemke, die mit einer Multimedia-Lecture-Performance zu Hannah Arendt einen Input geben, wollen wir Fragen nachgehen, die viele von uns in diesem Zusammenhang umtreiben: Was ist gegen-wärtig eigentlich noch politisch? Haben unsere privaten Interessen aufgehört, politisch zu sein oder waren sie es nie?
Aber was ist dann eigentlich „demokratisch“ am öffentlichen Raum, wenn dieser vorwiegend dazu genutzt wird, das Private via Facebook, Twitter, etc. auszustellen? Ist die Demokratie deshalb bedroht?

Standort West: Mit einem künstlerischen Performance-Beitrag in ein philosophisches Thema einzuführen, ist ja so etwas wie das Markenzeichen Eurer Salon-Veranstaltungen. Und zusätzlich gibt es immer wieder wechselnde, zur kreativen Beteiligung herausfordernde Gesprächssettings. Ihr nennt das „Performative Philosophie”.
R.T.: Philosoph_innen (wie andere Menschen auch) denken in der Regel nicht allzu viel über die Art und Weise und das „Setting“ nach, in dem sie mit anderen sprechen und neigen deshalb zum Monologisieren und werden dabei schnell langweilig (und/oder hermetisch). Uns als „Performative Philosophen“ interessiert dagegen sehr wohl und ganz praktisch die Frage: Wie kann man wirklich gemeinsam kreativ ins Denken kommen? Wie kann man das Denken über einen Abend lang wachhalten?
Im Salon testen wir das live und gemeinsam mit dem Publikum aus. Es ist immer wieder spannend.

Rainer Totzke live im Salon (Expedition Philosophie e.V.)
Details zum Salon unter:
www.soundcheckphilosophie.de
Donnerstag, 11.10.2018: Soundcheck-Philosophie-Salon:
Politisch # Privat – Privater Raum / öffentlicher Raum und das Ende der
Demokratie?
Ton Bild Installation,
Lecture-Performance, Gespräch mit Sonja Schierbaum & Sascha Lemke (Hamburg)
Beginn: 20 Uhr