Briefe aus der Ferne

IN BERNAU ankommend, ergab sich die Schwierigkeit, den von Norden kommenden meteorologischen Widerstand zu brechen. Unsere Kräfte reichten dazu bei weitem nicht aus, weshalb wir uns für ein Ausweichmanöver nach Westen entschließen und über Wandlitz drehend nach Osten auf Biesenthal vorstoßen und dort unbehelligt Richtung Norden unserem ursprünglichen Operationsplan folgen können. Die natürlichen Gegebenheiten ausnutzend, organisieren wir zwischen Wildau und Joachimsthal eine maritime Operation und setzen über den Werbellinsee. Nach einer kurzen Ruhepause, um Menschen, Fahrzeuge und Material zu ertüchtigen, geht es sofort weiter. Unsere Marschrichtung mäandert rechts und links abweichend immer weiter nach Norden. Über Glambeck, Görlsdorf, Stegelitz stoßen wir auf Warnitz vor. Dort schiffen wir uns auf der „Onkel Albert“ ein und erreichen unangefochten Prenzlau. Ab Prenzlau arbeiten wir uns in völlig ungedecktem Gelände über Schönwerder, Bandelow, Trebenow nach Nechlin vor. Die letzten 12km über Nieden und Schmarsow nach Pasewalk erfordern noch einmal den allerletzten Einsatz. In Pasewalk allerdings kommt unsere Offensive vorläufig zum Stillstand. Wir ziehen für zwei Tage in einen alten, aufgegebenen Eisenbahnzug und betreiben Fahrzeug-, Material- und Körperpflege. Die Unachtsamkeit des Gegners ausnutzend, brechen wir aus Pasewalk Richtung Norden aus und stoßen über Viereck, Torgelow nach Eggesin vor und können von der 9. Panzerdivision keine Spur mehr entdecken. Also weiter, das Überraschungselement ausnutzend, bis Uckermünde. Bei Grambin erreichen wir endlich das Stettiner Haff. Nun campieren wir in Sichtweite des Wassers im Wald gut gegen Fliegersicht gedeckt und sind nur noch drei Tagesreisen von unserem Ziel Peenemünde entfernt.

Grambin, den 10.August 2015
J. O. Walter,
Expeditionskorps „Peenemünde“, z.Zt. Stettiner Haff