Bericht von Livekomm

Gastbeitrag der Interessengemeinschaft Leipziger Spielstätten (IG LiveKommbinat) zur aktuellen Lage

Leipzig ohne weiche Faktoren – harte Zukunft

Stellt man sich Leipzig mal einen Moment lang ohne Musikkneipen, Clubs und Konzertlocations vor, wird schnell klar, dass die Stadt eine völlig andere wäre – nicht nur kulturell. Auch in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht gestalten sie das Leben hier maßgeblich mit. Durch ihre Kreativität und Innovationskraft haben sie Leipzig und dessen Entwicklung wesentlich mit geprägt: Clubs, Festivals und Kulturveranstaltungen können ein Experimentallabor für Musiker und Produzenten gemeinsam mit ihrem Publikum sein und auch Ideen-Pools für Kreativwirtschaftsbranchen wie Mode, Film, Games und moderne Kunst. Hier werden neue Projekte ausprobiert, entstehen neuartige Verbindungen, werden Trends gesetzt und Nischen verteidigt. Die vielfältige Musikszene gilt zudem als starker Anziehungspunkt sowohl für Besucher als auch für Zuziehende und schafft somit einen wirtschaftlichen Vorteil für Branchen wie den Tourismus und die Gastronomie auf der einen, sowie für die Stadt selbst auf der anderen Seite.
Trotzdem stößt die Szene nicht nur auf Anerkennung oder gar Gegenliebe. Immer wieder muss sie sich als wichtiger Teil des Lebensgefühls und vor allem als weicher Standortfaktor beweisen, um weiter existieren zu dürfen. Darum vernetzen sich die Leipziger Protagonist_Innen seit 2014 in der Interessengemeinschaft LiveKommbinat Leipzig, einem regionalen Ableger des bundesweit agierenden Verbands der Musikspielstätten in Deutschland (LiveMusikKommission, kurz LiveKomm). Ziel der IG LiveKommbinat ist es, die Szene zu erhalten und zu fördern, sich gegenseitig zu unterstützen, sowie ihre Interessen nach außen zu vertreten.
So wurde zum Beispiel im September letzten Jahres anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl gemeinsam eine Podiumsdiskussion organisiert, bei der die Kandidaten sich zu Themen der Musikspielstätten positionieren konnten. Die (Wieder-)Anwendung der Sperrstunde im Institut fuer Zukunft wurde zum nächsten akuten Arbeitsschwerpunkt der IG LiveKommbinat. Sowohl die scheinbar willkürliche Durchsetzung der „Putzstunde“ im IfZ als auch das Risiko einer stadtweit verbindlichen Schließzeit für Musikspielstätten und Gastronomieeinrichtungen waren keine glücklichen Aussichten. Zusammen mit Stadträten und der Stadtverwaltung hat sich die IG LiveKommbinat für eine Aufhebung der Sperrstunde in Leipzig eingesetzt. Diese anstehende Entscheidung war richtungsweisend für Leipzig – lässt sie doch elektronische Musik und Clubs als vollwertige Teile der Kultur anerkennen – und ist inzwischen so auch im Stadtrat beschlossen worden.
Nichtsdestotrotz ist das nur der Anfang eines Bekenntnisses der Stadtpolitik zur Clubkultur. Denn nach wie vor fordert das rasante Wachstum der Stadt immer wieder Opfer unter den Clubs. Aktuell ist die Weiterexistenz des Kulturzentrums So&So durch geplante Baumaßnahmen auf dem Areal am Eutritzscher Freiladebahnhof bedroht. Obwohl in Zusammenarbeit von Bürgern, Stadtverwaltung und Eigentümern ein Bebauungskonzept entwickelt