Bandinterview – Kraków Loves Adana

Kraków Loves Adana, die Band von Deniz Cicek & Robert Heitmann, gelten als eines der spannendsten und anmutigsten Musikprojekte, die sich in den letzten Jahren auf deutschsprachigem Boden entwickeln konnten. Vincent spricht mit Band-Häuptling Deniz über die Zukunft.


Standort West: Ihr habt einmal gesagt, dass euer Bandname auch als Statement zu einer humanistischen Weltsicht verstanden werden kann, in der Grenzen, Ethnien, Nationen und politische Grenzen keine zwingende Kategorien für unser Miteinander darstellen müssen. Reicht dieses Statement im heutigen reaktionären Zeitalter aus oder muss man als Musiker
eindeutig und klar Stellung nehmen, um die Öffentlichkeit positiv zu beeinflussen?
Deniz: Das alleine als Statement reicht in unserer heutigen Zeit auf keinen Fall. Ich mache mir darüber auch tatsächlich sehr viele Gedanken, aber spüre immer auch das Dilemma, dass ich auf der einen Seite das Elend und die Ungerechtigkeit sehe und auf der anderen Seite auch so eine Ohnmacht empfinde, dass ich, egal was ich tue, eigentlich nichts verändern kann. Mir fallen viele Sachen auf, aber ich habe noch nicht die Lösung für das Problem. Man muss unbedingt etwas tun, aber was man als Musiker da macht…? Klar, ich kann einen gesellschaftskritischen Song schreiben, aber reicht das aus?

Standort West: Wäre es vielleicht nützlich bei Konzerten oder auf den Seiten der sozialen Medien ganz plakativ seine Meinung darüber kundzutun?
Deniz: Das Problem ist, dass wir inzwischen so eine „Call-Out-Kultur“ entwickelt haben, in dem Sinne, dass bei jedweder Ungerechtigkeit und Abweichung jeder das direkt bei Social Media postet und sagt, dass das für falsch gehalten wird. Ich möchte jedoch nicht diese
Grenze überschreiten, dass ich etwas anprangere und auf der anderen Seite, weil ich das über Social Media mache, die ganze Aufmerksamkeit auf mich selbst ziehe. Einen Weg zu finden, dass man auf eine selbstlose Art zur Veränderung beiträgt ist ganz schwierig.
Was aber jeder tun kann, wenn einem im Alltag auffällt, dass der Kollege sich rassistisch verhält oder gegen Minderheiten wettert, ist, dass man ihn dann zur Rede stellt. Man sollte versuchen, das Bewusstsein der Leute in seinem Umfeld zu erweitern und zu vermitteln,
dass Identität eben nicht nur die Herkunft ist, sondern, dass wir in einer Zeit leben, wo sich jeder seine Identität aussuchen können sollte und niemand deshalb ausgegrenzt wird. Das möchte ich gerne in meinem privaten Umfeld voranbringen. Wir haben auch einige Hörer, die sich ihrer Identität nicht sicher sind und ich habe das Gefühl, dass ich denen ein bisschen Trost oder Mut mit meiner Musik spenden kann. Und vielleicht ist das dann auch schon genug, zumindest in diesem Stadium.

Standort West: Denkst du, dass eure Musik auch ohne Worte das Gefühlsspektrum der Menschen erweitern kann und damit simplen und stumpfen Gedanken entgegen wirkt?
Deniz: Ja, alleine wenn ich es schon schaffe, mit einem Song bei einer Person auszulösen, dass sie ihrem Gegenüber keine in die Fresse haut, ist das für mich schon ein Gewinn, um das mal so ganz stupide zu formulieren. Ich finde schon, dass man mit Musik, aber auch Literatur und Kunst etwas verändern kann.
Da gibt es viele Möglichkeiten. (…)

Standort West: Das Thema in dieser Ausgabe des Heftes ist „Zukunft“. Möchtest du ein paar Gedanken darüber unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Deniz: Ich würde allen raten, dass man keine Angst vor der Zukunft haben muss, weil das eh nur ein Konstrukt ist, was man im Kopf hat und die Angst hat man ja gerade im Hier und Jetzt und dementsprechend kann man eigentlich positiv in die Zukunft blicken und sich
sagen, dass nichts in Stein gemeißelt ist. Man kann alle verschiedenen Chancen nutzen und in alle verschiedenen Richtungen gehen, wie man das eben möchte und darüber können wir eigentlich glücklich sein. //

Kraków Loves Adana sind am 2. September live im NBL zu sehen.
Das Interview in ganzer Länge findet Ihr auf www.nochbesserleben.com/aktuelles/

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