zeitschleifen oder no future war gestern

letzte woche habe ich damit angefangen, die fenster des subbotniks zu restaurieren. genauer gesagt, habe ich mich endlich dazu durchgerungen, den weissen oder vielmehr hinlänglich gelb angelaufenen lack unserer aussenfenster behutsam zu entfernen.

für dieses ergo-therapeutische kommandounternehmen braucht mensch wenig mehr als: eine spachtel, einen heissluftföhn, ein schleifgerät, sonst nix besseres zu tun, sowie eine vision. wobei letztere für jeden auftrag, der sich der verschönerung dieses planeten verschreibt, in gänze unerlässlich ist. handwerkliches geschick, sei bei dieser groben bestandsaufnahme und besonders in meinem fall, weit hinten angestellt. mit visionen hingegen hatte ich schon hin und wieder zu tun.
jetzt könnte mensch denken, dass ich wahnsinnig unter dieser, doch eher monoton und gänzlich händischen lohnarbeit fürchterlich gelitten hätte. wider erwartend war es mir jedoch möglich, diese stumpfsinnig, schweigsame tätigkeit als etwas ganz und gar positives umzudeuten. nicht nur dass mir der – sagen wir philosophische – aspekt dieser arbeit recht gut gefiel. immerhin war gerade ich dazu auserkoren, kapitale ästhetische verbrechen, kraft meiner hände arbeit, für aller welt sichtbar zu korrigieren. die rede ist von dem gedankenlosen beschmieren mannshoher fensterrahmen aus naturholz mit genuin hässlichem, weissem industrielack (anmerkung des verfassers). vielmehr war es mir sogar möglich, mich mit der tätigkeit selbst recht gut abzufinden. und so schliff ich, ganz und gar in den moment versunken, holz und hobelte gedankenverloren ein paar späne. todesverachtend giftigen dämpfen trotzend, beföhnte ich zentimeter dicke schichten von lack und kratzte mit einem spachtel bewaffnet, vorsichtig entlang der maserung.
ich war, aufgegangen im moment und ganz zen. konzentrierte mich auf nichts weiter, als die behutsame beseitigung jedweder spur menschlicher kulturleistung, die auf dem kleinen stück jahrhundertealtem eichenholz manifest geworden war.
die ganze szene hatte bisweilen etwas von meditation. andererseits hatte ich auch gehörig zeit zum nachdenken und beim meditieren geht‘s ja vielmehr darum, dass eben genau dieses nachdenken endlich einmal zur ruhe kommt. so werkelte ich vor mich hin und dachte über den laden nach, der mich und einen haufen anderer menschen ernährt. auch darüber, ob meinen arbeitgebern die angestrebten baulichen veränderungen wohl recht behagen mochten. ich erinnerte mich an die wahnsinnig kurzen und gleichzeitig so intensiven drei jahre, die es das subbotnik jetzt schon gibt – nahezu mit identischem personal – was immer das auch heissen mag. ich dachte fahrig der abgründigen tresen-geschichten und der verdammt lange nächte, an all die schönen frauen und männer und natürlich an die psychos, die freaks und die guten alten stammies – an all die schönen und einfach nur krassen momente, die wir miteinander hatten. ich muss debil gelächelt haben, als ich diesem gedanken nachhing und mir reich bebildert ausmalte was da wohl noch kommen mochte. ohne furcht und voller zuversicht schaute ich gebannt in den glitzernd hellen feuerball am himmel – 10 millionen grad – direkt in die sonne. no future war gestern.

andächtig dieser verworrenen gedanken und eingebungen geworden, klopfte ich, ganzheitlich versöhnt mit welt und mensch, mehr aus einem kindischen aberglauben heraus, dreimal auf holz.
augenblicklich durchfuhr mich ein stechender schmerz vom daumen bis ins handgelenk,
um sich dort dumpf und hässlich pochend auszubreiten. leise fluchend beschloss ich, die angefangene arbeit vorerst nur rudimentär abzuschliessen und ihre vollendung auf ein unbestimmtes morgen in unbedingt naher zukunft zu verschieben. die verschönerung des ladens und damit des mir bekannten planeten muss wohl noch etwas auf sich warten lassen. mensch muss pläne haben.

patrice
mädchen für alles im subbotnik

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